L_
350
1
PLASTIK UND MALEREI.
Gefchick, das er fich in der Schule von Piloty erworben, zugleich aber eine Ein
fachheit, die nie mit den Mitteln prunkt und immer nur das giebt, was die Sache
felbft verlangt.
Diefe Gefundheit, diefe echt deutfche Richtung berührt uns um fo erfreu
licher neben manchen Verfuchen jüngerer Münchener Genremaler, die, ftatt
fchlicht zu geben, was fic fehen und empfinden, fich in fcltfamen malerifchen
Experimenten ergehen. Der hochbegabte Munkacfy wurde für Manche, wie
Guftav Meier, wie Rudolph Hirth, in feiner Hopfenlefe, wie Spring, ein
gefährliches Vorbild, mag auch das Talent namentlich der beiden letzteren un- .
verkennbar fein. Nennenswerthe Leiftungen aus dem Gebiete der Volksmalerei
waren dann befonders noch von Gabi, Eberle, Epp, H. Kauffmann, Kurz
bauer, den wir in den öfterreichifchen Sälen wiederfinden, vorhanden. Von
Anton Seitz fallen wir wieder ein paar jener höchft fauber und fein durch
geführten, im Ausdruck anziehenden und lebendigen Bildchen, die feine Speciali-
tät find. Der geiftreichfte unter den Münchener Genremalern ift Eduard
Grützner, zu deffen bekannten Kartenfpielern ein allerdings fehr derb ge-
rathener Falilaff mit Dortchen Lakenreifser auf den Knieen und eine prächtige
Scene im Klofterkeller kamen. Der felig über dem Glafe eingenickte Keller-
meifter, der wohlbeleibte, behäbige Prior, der alle Würde, deren er habhaft wer- *
den kann, aufbietet, und der hagere Fanatiker, der ihm den Uebelthäter zeigt,
find mit dem glücklichften Plumor erfundene Charaktere. Grützner’s Einflufs
fehen wir bei Ort lieb, der uns Mönche in der Kloflerkuche, der reichlichen
Liebesgaben fich freuend, vorführt. Ueberhaupt haben viele Münchener Genre
maler eine ausgefprochene Vorliebe dafür, Pfaffen und ihre Gefellen mit ftark
fatirifchem Zug zu den Ilauptperfonen ihrer launigen Bilder zu machen, fo
R. S. Zimmermann, der uns eine hochkirchliche Deputation in dem fürft-
lichen Vorzimmer aufmarfchirt zeigt, und namentlich Matthias Schmidt, der
die geiftlichen Herren in Situationen , wie fie für ihre Beziehungen zum Volke
bezeichnend find, fchildert: beide fo ftark tendenziös, dafs die ruhige künftlerifche
Wirkung keine ungeftörte ift, aber der letztere mit entfchiedenem Geift und mit
ficherem malerifchem Gefchick.
Der Piloty’fchen Schule, der direct oder indirect auch die meiften Genre
maler ihre Ausbildung verdanken, gehört auch Hermann KauIbach an, der
alfo Wege geht, die von denen feines berühmten Vaters Wilhelm von Kaul-
bach fehr verfchieden find. Und doch trifft er manchmal wieder mit diefem
zufammen; fein gröfseres Bild, Mozart, der todtkrank der Probe feines Requiem
beiwohnt, erinnert durch die fehr fcharfe, auf die Spitze getriebene Charakteriftik
gerade an Wilhelm von Kaulbach’s frühere Zeit. Das Gefchick in der Anord
nung wie in der malerifchen Behandlung ift unverkennbar; fchade nur, dafs ein
giftig-unangenehmer Ton, motivirt durch den grünen Vorhang, durch welchen
links das Licht fällt, über das Ganze ausgegoffen ift. In dem zweiten Bilde
„Hanfei und Gretel bei der Hexe“, ift der Ton des Märchens verfehlt, die Nei
gung zur Karikatur fchlägt in das Fratzenhafte um.
Der jüngere Claudius Schraudolph erfreute uns durch eine coloriftifch
glückliche, anziehend aufgefafste Scene aus dem „Fauft“, den Spaziergang am