IV. DEUTSCHLAND, OESTERREICH UND UNGARN.
war ebenfo taktvoll, bei der gegebenen Aufgabe, die Charakterfigur des Helden
in diefe genrehafte Situation zu verfetzen, wie auch den Mafsftab nicht zu grofs
zu wählen. Der Feldherr felbft, wie er zu Rolfe hält und den Trupp Infanterie
und Artillerie im Hohlwege zu feinen Füfsen vorbeiziehen läfst, dominirt; aber
er ift in glücklichftem Wurf der Erfindung in die Mitte eines frifch bewegten
Kriegslebehs, das fich ungefucht und lebendig entfaltet, geftellt. Jede Gruppe
hat ihr fpontanes Leben, der gefunde Humor fordert fich herzhaft feinen Platz.
Alles ill echt, aus der Sache heraus, gegeben, die Schilderung der herblllichen
Scenerie, der Blick auf das ferne Paris find höchft wirkungsvoll, die Haltung
ift klar, beftimmt, gut abgewogen, aber vor Allem, wie es dem deutfehen
Realismus entfpricht, kommt die Charakteriftik des Einzelnen zu ihrem vollen
Recht.
Während Berlin das vorzüglichfte Architekturftück der Ausfüllung geliefert
hatte, in Carl Graeb’s berühmter Innenanficht des Halberftädter Doms aus der
Nationalgalerie, fpielte es in der Landfchaftsmalerei keine fonderliche Rolle. Um
fo beffer war die ältere Richtung der Düffeldorfer Landfchaftsmalerei mit ihrer
discreten Technik, aber liebevollen Empfindung für die Heimath, ihrem gemüth-
vollen Sich-Einleben in die Natur durch die Bilder von Carl Friedrich Leffing
in Carlsruhe und von dem feither geftorbenen Auguft Weber vertreten. Ihnen
gegenüber trat auch die realiftifche Düffeldorfer Richtung in voller Kraft auf,
zunächlt getragen durch die beiden Bruder Achenbach, Andreas, der im
Norden, am Muhlbach, wie am Seegeftade und in den Canälen Olfende’s heimifch
ifL Oswald, der Italien fammt dem Gefchlecht, das heut auf diefem Boden
wandelt, mit ebenfo frappanter Kühnheit fefthält. Beide überftrahlte aber diesmal
noch Hans Gude in Carlsruhe, der mit ebenbürtiger Meifterfchaft ein Gefühl
für Schönheit der Linien, fiy- vollendete Ahwägung der Maffen verbindet und
neben der Keckheit der beiden Achenbach, die oft darauf ausgeht, gerade im
Fefthalten des fcheinbar Zufälligen ihre volle Macht zu zeigen, die beruhigte
Kraft, die zur Anmuth zurückgekehrt ift, offenbart. Waffer und Luft malt er
mit gleicher ftofflicher Wahrheit wie vollendeter Wirkung des Tons. Das Bild
auf der deutfehen Seite, der Hafen von Chriftiania mit glitzerndem Sonnenlicht
auf der fpiegelklaren Fluth, ift ebenfo vollendet wie das gröfsere Gemälde im
Saal der Norweger, das hier gleich mit erwähnt fei, der Nothhafen an der nor-
wegifchen Küfte bei Sturm, Regen und wild bewegten Wellen, mit den düftern
Felfen, die fich vom lichteren Himmel abheben.
Von Düffeldorfer Landfehaftern feien noch Oeder, Frifche fowie, in Bildern
aus Italien, namentlich Hertel erwähnt. Burnitz in Frankfurt a. M. geht bei
fchlichten Anfichten aus der nächften heimathlichen Umgebung mit Glück auf
die feinen Tonwirkungen nach Art der franzöfifchen Landfchaftsmaler aus. Eine
verwandte Richtung bildet fich unter einer jüngeren Künfflergruppe in Weimar,
Fedderfen, P'lickel, von Gleichen-Rufsw urm heran, während zugleich
Graf Kalkre uth von neuem durch mehrere ftimmungsvolle Alpenlandfchaften
vertreten war, und Meifter Friedrich Preller eine jener grofsartigen ftilvollen
Compofitionen gebracht hatte, die nur in der Oelmalerei bei weitem nicht fo wie
in der monumentalen Technik zur Geltung kommen.
45*