22
DIE AUSSTELLUNGSBAUTEN.
ungen unferer Altvordern mit Haarbeutel und Allonge-Perrücke. Und es wäre
nicht fchwer, auch auf den Gebieten der Plaftik und Malerei, fowie in den ver-
fchiedenflen Zweigen der gewerblichen Künde das Vorhandenfein analoger Be
drohungen aufzuweifen, deren Ziele man im Einzelnen verwerdich finden mag,
deren Exidenz jedoch eine unabweisbare Thatfache id.
Um bei der Architektur dehen zu bleiben: fo hat die Schule und hat jede
puridifche Baugefinnung zweifellos ganz Recht, fich diefen Tendenzen gegenüber
ablehnend zu verhalten. Man gebe der Spät-Renaiffance die Herrfchaft über die
Bildung der architektonifchen Jugend in die Hand, und wir werden in kürzeder
Frid bei der abfoluten Rohheit und völligen Entnationalifirung angelangt lein!
Anders id die Sache, wenn man die fpecielle Aufgabe in’s Auge fafst, welche dem
Architekten unferer Weltausdellungsbauten gedeih war. Hier, bei der Gedaltung
von Räumen, die dem Geide der ganzen Menfchheit und dem Triumphe der
Arbeit geweiht find, hier galt es, Maffen von gewaltiger Ausdehnung fchnell in
ein architektonifches Fedgewand zu hüllen, welches den Eindruck weltmännifcher
Eleganz und würdiger Pracht ausüben und zugleich den freundlichen Parkanlagen
und landfchaftlichen Umgebungen fich heiter und gefällig anfchmiegen follte.
Und gerade für die Löfung diefer Aufgabe befitzt der gewählte Styl in der gran-
diofen Rhythmik feiner auf römifcher Grundlage beruhenden Maffengliederung,
in den kuppelförmigen, fchön gefchwungenen Dachabfchlüffen und in feiner zwar
fpielenden und äufserlichen, aber defshalb nicht minder anmuthigen Ornamentik
Eigenfchaften, wie de kaum irgendwo fond fich grindiger beifammen finden laffen.
Der gefchickte Anfchlufs an das Bedehende, allgemein Verdändliche und Ge
fällige war wenigdens in diefem Falle gewifs richtiger als ein etwaiger Verfuch,
etwas ganz Abfonderliches, Neues oder Nationales zu fchaffen, wie es uns z. B.
in den unglückfeligen deutfchen Annexen und Pavillons zur allgemeinen Ver
wunderung dargeboten wird. Wer von diefen kleinlichen, halb im Vogelbauer-,
halb im Fafsbinderdyl gehaltenen, barbarifch bemalten Holzfchuppen der Archi
tekten Kyll mann und Heyden zu den Hauptbauten des Ausdellungsraumes
emporfchaut, wird zugeben müffen, dafs er hier — bei manchem Zopfigen und
Flüchtigen im Detail —• denn doch eine wirkliche Architektur vor fich hat,
die fich vor der Welt lehen laffen kann.
Zum Einzelnen übergehend, werfen wir zunächd einen Blick auf die zier
lichen gedeckten Gänge, welche das Eingangs-Portal an der Haupt-Allee mit den
Ausftellungsbauten in Verbindung fetzen. Dies find ■— im geraden Gegenfatze
gegen jene Anlagen der Berliner Architekten — wahre Mufter eines an das
Material ftrenge gebundenen und doch künftlerifch veredelten Holzbauftyles.
Befonders gelungen, abgefehen von dem etwas überreich verzierten Haupteingange,
finden wir die Eckpavillons und die dreigetheilten Durchfahrten der „Avenue
Elifabeth“.
Der Urheber diefer Holzbauten, Herr Architekt Gugitz, hat auch an dem
Bau des Kaifer-Pavillons das Hauptverdienft. Wie bereits bemerkt, haben die
erften Firmen der Wiener Kunftinduftrie fich vereinigt, um diefe für den kaifer-
lichen Hof beftimmten Räume mit den Koftbarkeiten ihrer Production zu fchrnü-
cken. Das architektonifche Gehäufe ift des prächtigen Inhalts würdig. Es ftellt fich