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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

IV. DEUTSCHLAND, OESTERREICH UND UNGARN. 
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indeffen nicht zu feinem Vortheile erfchien, ihre erfte Ausbildung, hat fich aber 
in der Folge ganz andern Richtungen in die Arme geworfen. Sie wirkt nicht 
durch Compofition und Linienführung, fondern durch den Ton, unter Einwirkung 
der neueren franzöfifchen Landfchaftsmalerei. Unter Allen gebührt Eugen 
Jettei der Preis, der überall ein zartes Stimmungsleben entfaltet, in feinen 
Strandbildern, wie in der duftigen Partie aus Oberbayern mit See, Tannenwald, 
Bergen, die von Wolken verhüllt find, und Krähen als der einzigen Staffage. 
Hugo Charlemont folgt einer verwandten Richtung. Daneben erwähnen wir 
Seelos, S chäffer, Schindler, Obermüllner, Lichtenfels. Der belgi 
schen Technik fleht Robert Rufs nahe, der, befonders in einer Anficht aus 
Rotterdam mit Windmühlen, Canälen und lebendiger Staffage, Kraft des Tons, 
breiten Vortrag und perfpectivifch wirkungsvollen Aufbau, bei kühner Wahl 
eines nahen Augenpunktes, zeigt. Strengeren Stil haben die egyptifchen Land- 
fchaften von Bernhard Fiedler aus Berlin, jetzt in Trieft. Auch der Thier 
maler Otto von Thoren, der fich ganz der franzöfifchen Schule angefchloffen, 
wirkt durch die fichere Beherrfchung des landfchaftlichen Stimmungslebens. 
Neben ihm fei von den Thiermalern noch Bühlmeyer genannt. Endlich darf 
Max Schödl nicht vergehen werden mit feinen ganz kleinen, äufserft feinen 
Stilleben, auf denen Gefäfse und Geräthe, von grofser Accurateffe und Wahr 
heit in der Wiedergabe des Materials, die Hauptrolle fpielen. 
Einen befonderen Genufs gewähren endlich zwei Meifter im Aquarell: 
Rudolph Alt und Ludwig Paffini. Vergleicht man Alt, von dem wir An 
fichten von Rom’s Ruinen, vom Innern der Peterskirche, von einer Ecke des 
Dogenpalaftes in Venedig fanden, mit Carl Werner in Leipzig, von dem in 
einem der Nebenpavillons mehrere vorzügliche Anfichten aus Italien, Egypten, 
dem Orient vorhanden waren, fo finden wir nicht das Streben, das Einzelne, 
namentlich in den architektonifchen Partien, miniaturartig fein, mit äufserfter 
Schärfe wiederzugeben, fondern Alt geht zunächft auf die malerifche Gefammt-
	        
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