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PLASTIK UND MALEREI.
zeigt einen Trupp Gefmdel, der, auf der Strafse aufgegriffen, am Morgen von
Soldaten nach der Wache transportirt wird; darunter gefährliche Strolche, herabgekommene
Subjecte, ein verführter junger Menfch, der befchämt zu Boden
blickt und von einer jungen Magd mit Schrecken erkannt wird. Durch diefen
Zug kommt ein unmittelbar dramatifch, wirkendes Element in die Scene. Eine
gaffende Weibergruppe am Tifch der Hökerin und nachlaufende Kinder vollenden
die Compofition. Munkacfy befitzt die Fähigkeit, das Düftere und Niedrige
im Dafein des Menfchen ficher, fogar mit dramatifcher Wucht zu fchildern.
Aber eine Freudloügkeit, die furchtbar ift, breitet fich über feine Schöpfungen
aus, das Oede und Häfsliche waltet überall ohne den leifeften verföhnenden Zug.
Noch auffallender als bei diefer dramatifchen Compofition, in welcher folche
Auffaffung fich durch den gewählten Vorwurf rechtfertigen läfst, ift die Einfeitigkeit
des Künftlers bei kleineren und fchlichteren Compofitionen, bei der Alten,
welche Butter macht, bei der Heimkehr des Betrunkenen zu feiner Frau. Dies
Bild ift durchaus widerwärtig. Der elende Lump, den ein Anderer heimführen
mufs, das ältere Kind, das auf dem Tifche herumkriecht, das Weib mit dem
Säugling an der Bruft find fo dumpf und ftumpf, dafs man fich mit Ekel abwendct;
ein Gegenftand, den nur der Humor erträglich machen könnte, bleibt
hier ganz in die Sphäre des Gemeinen gebannt. Auch die malerifche Behandlung
von Munkacfy, wenn auch erftaunlich , ift doch nicht eine folche, die uns
wahrhaft künftlerifch befriedigt. Die Breite der Pinfelführung, die Fähigkeit, das
Körperliche aller Figuren frappant heraustreten zu laffen, geht in das Aufserordentliche,
aber der ftarke Gebrauch von Beinfchwarz, das Düftere des Tons
wirken ermüdend und führen zur Unwahrheit. Weder für das Morgenlicht auf
der Gaffe, wie es das erfte Bild verlangen würde, noch für die Interieurwirkung
auf den anderen ift diefe Haltung und Stimmung charakteriftifch. Bei aller
Anerkennung, die ein folches Talent fordert, wollen wir froh fein, dafs unfere
deutfehe Volksmalerei andere Bahnen geht, dafs fie in das tieffte Gemüthsleben
des Volkes, fei es ernft, fei es humoriftifch, eindringt und die fchlichte Wahrheit
der Erfchcinung über die Bravour fetzt.
Der Ueberblick über die d eut f c h c P laftik mit Einfchlufs der oft er r eich
ifchen bot im Ganzen kein befriedigendes Ergebnifs. Trotz einzelner anerkennenswerther
Leiftungen fühlte man fich enttäufcht, man vermifste gröfstentheils
die Meifter, auf welche wir als auf unfere beften ftolz find, man hatte in dem
Vorhandenen keinen Mafsftab für das, was geleiftet werden kann und während
der letzten Jahre auch wirklich geleiftet worden ift. Das kümmerliche Material
des Gypfes überwog, die Maffe des Vorhandenen war gleichgültig und bedeutungslos,
Schülerarbeiten, welche auf eine Weltausftellung nicht hingehören,
machten fich breit. Zu dem Beften gehörten immer noch die grofsen monumentalen
Werke, in denen der hiftorifche und realiftifche Charakter überwiegt; die
ideale Plaftik, welche in der Darftellung der fchönen Menfchengeftalt ihr Ziel
fieht, war fpärlich vertreten.
So kam es, dafs auf der Weltausftellung die deutfehe Plaftik von der
franzöfifchen inSchatten geftellt wurde, obwohl die Sculptur im franzöfifchen