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MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

IV.  DEUTSCHLAND,  OESTERREICH  UND  UNGARN.

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Kunftleben  niemals  feudi
nur  entfernt  eine  fo  dominirende
  Stellung  eingenommen ­
  hat,  wie  die
Malerei.  Bei  viel  geringerem ­
  Idealismus  der
Empfindung  hatten  die
Franzofen  doch  gerade
viel  mehr  gediegene
Bildwerke  idealen  Charakters ­
  ausgeftellt.  In
der  ganzen  Nation  ift
eben  das  Verftändnifs
für  die  plaftifche  Schönheit ­
  ungleich  verbreiteter, ­
  der  Künftler  kann
eine  ganz  andere  Nachfrage ­
  nach  folchenArbeiten
  erwarten,  kann  gewifs
  fein,  dafs  ihm  die
Gelegenheit  zur  Ausführung ­
  in  Marmor  oder
in  Bronze  nicht  fehlen
werde,  kann  es  wagen,
feine  Arbeiten  gleich  von
vornherein  in  edlem
Material  auf  den  Markt
zu  bringen.  Die  Plaftik
hat  hier  überall  im  Privathaufe ­
  ihre  Stelle,  und
ebenfo  wendet  ihr  der
Staat  feine  Theilnahme
zu,  glaubt  nicht  genug
gethan  zu  haben,  Wenn
er  den  Bildhauern  die
Standbilder  berühmter  Männer  aufträgt,
fondern  legt  gerade  auf  diejenigen  Werke,
die  um  der  Form  felbft  willen  da  find,
Gewicht,  erwirbt  fie  für  feine  Mufeen
oder  für  die  Ausflattung  öffentlicher
Gebäude.
Auffällig  war  namentlich  das  Zurückftehen
  der  Berliner  Sculptur.  Albert
Wolff’s  »Juftitia«  und  feine  Gruppe
»Kunft  und  Induftrie«,  für  das  Denkmal

Sängerfeftpokal  in  verfilbertem  Neufilber,
  nach  Entwurf  von  Jul.  Maefs
ausgef.  von  Ritter  &  Co.  in  Efslingen.

Friedrich  Wilhelm’s  III.
in  Erz  gegoffen,  find  fehr
mäfsige  Arbeiten.  Das
Gypsmodell  zum  Standbilde ­
  Rauch’s  von  D  r  a  k  e
(f.  d.  Abb.  S.  228)  zeigte
uns  dies  längff  berühmte
Meifferwerk  von  Neuem.
Afinger’s  Grabdenkmal ­
  wurde  den  Lefern
ebenfalls  im  Holzfchnitt
vorgeführt  (S.  296).  Unter
den  Arbeiten  jüngerer
Bildhauer  nennen  wir
Enke’s  höchfflebendige
Negerbüfte  mit  dem  Papagei, ­
  dies  Mufter  wirkungsvoller ­
  Polychromie
  in  Bronze,  Otto’s
Gruppe  des  Fauns  mit
der  Nymphe,  das  vortrefflich ­
  durchgeführte
badende  Weib  von
Reinhold  Begas,
während  wir  feinen  bereits ­
  etwas  älteren,  in
der  Auffaffung  unedlen,
in  den  Formen  fchwülftigen
  Mercur  gern  vermifst
  hätten.  Seine
eherne  Brunnenfigur  des
Knaben  mit  dem  Schlauche ­
  auf  dem  triefenden
Haar,  ift  von  folcher
Keckheit  und  folchem
reizenden  Humor,  dafs  wir  fie  flets  von
Neuem  mit  Vergnügen  fehen,  und  die
bekannte  Gruppe  Venus  und  Amor
nimmt  fich  ebenfalls  bei  kleinem  Mafsftabe
  in  Bronze  gut  aus.  Unter  den
Biiften  mufs  Keil’s  Bildnifs  des  Kaifers
wegen  feiner  feinen  Beobachtung  und
guten  Durchführung  genannt  werden.
Die  deutfch-römifche  Schule  hatte  nichts
Aufsergewöhnliches  aufzuweifen:  aufser
            
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