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PLASTIK UND MALEREI.
Xheebrett von verMbertem Neufilber, von Ritter & Co. in Efslingen.
der Judith von Emil Wolff noch verfchiedene Arbeiten von Jofeph kopt
aus Stuttgart, mit denen ich mich aber nicht fo fehr, wie mit früheren Werken,
befreunden kann. Die Pietas ift eine würdige, doch nicht fehr urfprünghche
Gruppe Die Leiftungen genrehaften Charakters find anmuthig, oft felbft uber
zierlich,' doch ohne wahrhaft frifchen, kecken Wurf. C. Steinhäufer’s Marmor
figur eines nackten, fitzenden Mädchens am Schilf würde, bet edler Durchbil
dung der Formen und vollendetem Schwünge der Linien, nur im Kopfe etwas
weniger Eleganz und mehr individuelles Leben vertragen können und hatte mit
der Benennung »Ophelia« verfchont bleiben follen.
Die Dresdener Schule hielt diesmal den Ruf der deutfchen Monumental-
Plaftik am wirkfamften aufrecht. Breymann’s eherne Statue Heinrich’s des
Löwen für Braunfchweig ift echt plaftifch empfunden, von ftilvoller Grofse und
gediegen durchgeführt. Donndorf hatte bei feinem Reiterbilde Karl Augufts
für Weimar, das wir hier im Gypsmodell fahen, die fchwierige Aufgabe den
wefentlich für das geiftige Leben bedeutungsvollen Durften zuPferde darzuftellen,
fchuf aber ein wahrhaft individuelles, ausdrucksvolles Bild. Dabei erinnere man fich,
dafs auch AuguftWittig in Düffeldorf, deffen längft berühmte Hagar-Gruppe wir
hier wieder fanden, und Kundmann in Wien, von dem mehrere gute Buften und
Reliefs, fo wie die empfindungsvolle und edel aufgebaute Gruppe des barmherzigen
Samariters unter den öfterreichifchen Sculpturen zu fehen waren (f. d. Abb. S. 92,
93 u. 292), in Dresden ihre Schule durchgemacht haben. Ebenfo der Schweizer
Robert Dorer, deffen Nationaldenkmal für Genf fich in der Rotunde erhol.