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MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

382  .

PLASTIK  UND  MALEREI.

V.  Die  Schweiz,  Belgien,  Holland,  Skandinavien,  Russland,  Spanien,  Italien  und  England.
Deutlehland,  Oefterreich  mit  einbegriffen,  und  Frankreich  find  die
beiden  grofsen  Mächte,  die  fich  in  der  modernen  Kunff  gegenüberftehen.  Gegen
ihre  Leiftungen  treten  diejenigen  aus  den  übrigen  Staaten  und  Nationen  erheblich ­
  zurück.  Die  Künftler  der  Schweiz  neigen  fich,  den  Nationalitäten  der
Alpen-Rcpublik  entfprechend,  in  ihrer  Richtung  und  Ausbildung  nach  drei  verfchiedenen
  Seiten  hin.  Anton  B  arzaghi-Catta  neo  aus  Teffin,  jetzt  in  Mailand, ­
  zeigte  fich  in  zwei  Studienköpfen  und  einem  hübfehen  Genrebild  als  Italiener,
der  Waadtländer  C.  Gleyre  in  Paris  auch  diesmal  als  Franzofe,  durch  feine
flötende  nackte  Mädchengeffalt,  die,  zart  und  fauber,  dennoch  von  feiner  eigentlichen ­
  Bedeutung  kaum  einen  rechten  Begriff  gewähren  konnte.  Auch  A.P  ott  er  in
Genf  ift  von  der  neueren  franzöfifchen  Landfchaftsmalerei  beeinflufst.  Die  meiden
übrigen  Maler,  felbft  diejenigen  aus  der  franzöfifchen  Schweiz,  find  dagegen
deutfeh  in  Können  und  Empfinden.  Wir  brauchen  kaum  mehr  bei  Einzelnen
liehen  zu  bleiben,  indem  wir  Vautier,  unftreitig  einen  der  gröfsten  lebenden
Meiller,  bereits  vorweggenommen  haben.  »Die  Kappeier  Milchfuppe«  von
Albert  Anker  ift  ein  ganz  hübfehes  hiftorifches  Genrebild.  E.  Stückelberg
in  Bafel  bewährte  fich  als  einen  finnigen,  zarten,  anfpruchslofen  Portraitmaler  und
entfaltete  in  mehreren  kleinen  Stimmungsbildern,  befonders  in  der  Wahrfagerm,
bei  edler  Durchbildung  des  Ausdrucks  und  bei  gedämpftem  Tone  einen  wahrhaft ­
  poetifchen  Reiz.  Die  Schweizer  Landfchaftsmalerei,  namentlich  wenn  fie
ihre  Motive  aus  den  Alpen  holt,  will  nicht  viel  bedeuten.  Rudolph  Koller
in  Zürich  ift  ein  ausgezeichneter  Viehmaler,  wahr  und  plaftifch  in  der  Darftellung
der  einzelnen  Thiere,  nur  in  der  Haltung  des  Ganzen,  in  der  harmonifchen  Ausbildung ­
  der  landfchaftlichen  Umgebung  minder  glücklich,  was  gerade  bei  den
in  Wien  ausgeftellten  gröfseren  Bildern  auffiel.
            
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