V. DIE SCHWEIZ, BELGIEN, HOLLAND, SKANDINAVIEN ETC. 385
Schüffel von Ginori in Doccia.
zu fuchen; er fchlofs fich zunächft an die Holländer des 17. Jahrhunderts in
feinen hiftorifchen Genrebildern, mit Feinheit und Verftändnifs, mit grofsem ma-
lerifchen Gefchick und echtem Gefühl für Lichtwirkungen, nicht fclavifch und
nicht ohne eigene Empfindung an. Ein Bild diefer Art, das Feit, welches die
Antwerpener Schützengilde zu Ehren von Rubens giebt, allerdings fchon 1851
gemalt, war in Wien zu fehen. In der Folge aber wurde Leys mehr und mehr Ma-
nierift. Er ging in feiner Alterthümelei immer weiter, in der niederjändifchen und
deutfchen Kunft des 15. Jahrhunderts, befonders in den fpäteren Nachfolgern der
van Eyck’fchen Schule, fuchte er feine Vorbilder. Mitten unter einem Künftler-
gefchlecht flehend, welches in einer äufserlichen, oft feelenlofen Bravour aufging,
fühlte er fich durch die milde Befcheidenheit, die tiefe, doch nur fchüchtern fich
zum Ausdruck bringende Empfindung diefer alten Meifter angezogen. So be
gann er in der Malerei rein die Localfarben zu betonen, ohne auf eine harmo-
nifche Gefammthaltung auszugehen, verzichtete auf jede Luftperfpective, ftellte
alle Figuren ungefchickt, hölzern, handlungslos hin, als kenne er den Körper
nicht und könne ihn nicht in Bewegung fetzen. Aber die Keufchheit feiner Vor
bilder nahm er bei diefer erkiinflelten Nachahmung nicht mit herüber, die Cha-
rakteriftik und das individuelle Leben derfelben verwifchte er bei folcher Lahm
heit und Abfichtlichkeit. Was wir noch auf der Ausftellung fallen, die Einzel
figuren Philipp’s des Guten und der Maria von Burgund (1864), der Bürgermeifter
Lancelot von Urfel, die Miliz anredend, welche Antwerpen vertheidigen foll,
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