V. DIE SCHWEIZ, BELGIEN, HOLLAND, SKANDINAVIEN ETC. 395
fühlen, ängftlich vermeiden, das möglich!! Langweilige, Oede und Häfsliche auf-
fuchen und dies nicht etwa mit feinem Stimmungsleben zu durchdringen fuchen,
fondern es mit kalter photographifcher Schärfe feflhalten. Roffano’s Viehmarkt
aus der Gegend von Neapel, eine fchnurgerade Allee, welche das ganze Bild
ausmacht, ift für diefe Art von Landfchaftsmalerei bezeichnend. Pittara’s Thier-
ftücke fcheinen ein gewiffes Studium Troyo n’s zu verrathen, bleiben aber gegen
das Vorbild durch ihre Trockenheit weit zurück.
Vafen von weifsem opakem Glas,
von Lobmeyr in Wien.
Eher öffnen fich den Italienern dann die Augen, wenn fie über ihre Grenzen
gehen; die befte Landfchaft, in der Technik allerdings ganz franzöfifch, ift ein
düfteres Wüftenbild mit lagernder Karawane von Pafini; auch das italienifche
Feldlazareth bei der Belagerung von Paris, von Carlo Nogaro, ift ein effect
volles Winterbild. Ein Hühnermarkt von Cipriani, mit lebendigen Motiven und
einigen gut aufgefafsten Mönchscharakteren, ein Heiligenbilder-Händler, deffen
Kram von Landleuten bewundert wird, von Girolamo Induno, gehören zu den
belferen Schilderungen aus dem italienifchen Volksleben. Das feinfte und talent
volle aller italienifchen Gemälde, die wir hier ausgeftellt fahen, ift aber feinem
Stoffe nach aus dem ruffifchcn Volksleben gegriffen, die Brautfchau von Ro-
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