PLASTIK UND MALEREI.
408
Goldfchmuck von Otto Krumbügel in Moskau.
fchen, fo kam man von Scenen des Kriegs und der Leidenfchaft, des Ringens
und des Leidens zu Scenen häuslichen Friedens, welche das Leben eines Volkes
wiederfpiegeln, dem lange eine ruhige Exiftenz vergönnt war. Und während die
grofsen holländifchen Genremaler des 17. Jahrhunderts, fetzt er hinzu, in ihren
Arbeiten wie Leute erfcheinen, die niemals lefen, weil fie blos Motive aus dem
alltäglichen Leben darftellen, ohne Zufammenhang mit der Literatur, ohne An-
fchlufs an heimifche oder fremde Dichter, finden unfere oder fremde Schrift-
fteller an den englifchen Malern ihre liebevollen llluftratoren, und felbft wenn
diefe ihre Stoffe aus dem gewöhnlichen Volksleben fchöpfen, fuchen fie irgend
einen rührenden Zug, eine zarte Epifode, einen fiifsen Ausdruck einzumifchen,
durch welche auch diefe Gegenftände mit der edleren Menfchlichkeit in uns
felbft verknüpft werden.
Das Alles fieht unfer englifcher Gewährsmann für behindere Vorzüge an.
Wir dagegen finden in diefer einfeitig literarifchen Infpiration, in diefem zum
Theil moralifirenden und zum Theil fentimentalen Zug der Kunftwerke eine
krankhafte Neigung, welche dem übertrieben modernen Wefen der englifchen
Schule entfpringt. Ohne Zufammenhang mit den herrlichften Epochen der Ver
gangenheit, namentlich mit der italienifchen Renaiffance, ohne Antheil an
dem Auffchwung, welchen Frankreich und Deutfchland in unferem Jahrhundert
erlebten, im eigenen Lande durch keine frühere künftlerifche Ueberlieferung als
die des vorigen Jahrhunderts getragen, kommt die englifche Schule fchwer zu