I. FRANKREICH.
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welche Colbert in den Gobelins einft begründet, bis auf ihre letzten Ausläufer
ausgeftorben; denn die altern anerkannten Meifter find auf ihren Lorbeern fitzen
geblieben und haben blos ihre jüngern, nicht immer viel verfprechenden Schüler
auf den Kampfplatz gefchickt. Pierre Metzmacher und G. N. Bertinot erfcheinen
beinahe als die einzigen refpectabeln Vertreter des gröfsern monumentalen
Kupferftiches, und der Letztgenannte ift vielleicht der Einzige, welcher feine
Ausführung mit tiefer, kräftiger Stichelführung zu vereinigen weifs, z. B. in feiner
Madonna mit Stiftern nach Van Dyck. Auch in dem genrehaften «Schutzengel»
nach Bougereau ift der Lichteffect nicht ohne Witz im Stiche wiedergegeben.
Was fonft von Grabftichelblättern ausgeftellt war, gruppirt fich um die Societe
frangaise de gravure, welche zugleich auch felbft als Ausftellerin auftrat, fo dafs
dadurch einige Blätter doppelt in der Ausheilung vorkamen, einmal nämlich
unter dem Meifternamen, das anderemal unter dem der Gefellfchaft. Diefe ward
im Jahre 1868 gegründet und beruht auf Jahresbeiträgen ihrer Mitglieder, denen
dafür die beffern Abdrucksarten der Platten refervirt find. Die Gefellfchaft verfolgt
den Zweck, den ernften Kupferftich zu fördern, und erfreut fich des Präfidiums
von Henriquel-Dupont. Die Hoffnungen aber, welche man unter diefen
Umftänden auf die Pflege der alten Linienmanier durch die Gefellfchaft zu fetzen
berechtigt war, werden durch die bisher gelieferten Blätter nur in fehr mafsiger
Weife erfüllt. Meifl find es anfpruchslofe Arbeiten von Anfängern oder Kräften
zweiten Ranges; und auch jene Platten, welche hervorragenden Meiftern ihre
Bearbeitung verdanken, ftehen nicht auf der Höhe deffen, was von guten Namen
zu erwarten wäre. So erklärlich und zweckmäfsig die Heranziehung jüngerer
Künftler zu den Aufträgen der Gefellfchaft fein mag, fo bedenklich ift das Abfallen
guter Meifter in’s Mittelmafs, fobald fie für die Gefellfchaft thätig find.
Lobenswerth ift jedenfalls die Befchränkung ihrer Publicationen auf anerkannte
Werke alter Meifter. Mit der blofsen Publication des Gegenftandes erwirbt sich
aber eine folche Institution nur erft den kleinern Theil ihrer Verdienfte. Die Art
der Reproduction fällt hier vor Allem in’s Gewicht. An deren technifche und
künftlerifche Vollendung müffen die höchften möglichen Anfprüche gehellt werden.
Am wenigften dürfen fich tüchtige Meifter denfelben entziehen und die Gefellfchaft
mit kleinern Abfällen ihrer Kunft abfertigen. Wenn das möglich ift, fo
läfst es auf eine mangelhafte Organifation der Gefellfchaft fchliefsen, fei es, dafs
diefelbe gröfsere Arbeiten erfter Künftler nicht zu beftellen vermag, fei es, dafs
deren perfönliche Stellung zur Gefellfchaft jede fruchtbare Kritik ausfchliefst. Es
wäre fehr zu beklagen, wenn es auf diefem Wege der Societe frangaise de gravure
nicht gelänge, diejenige dominirende Stellung in dem regen Kunftleben
jenfeits der Vogefen einzunehmen, deren fie zur endlichen Erreichung ihres
fchönen Zieles bedarf.