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MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

I.  FRANKREICH.

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welche  Colbert  in  den  Gobelins  einft  begründet,  bis  auf  ihre  letzten  Ausläufer
ausgeftorben;  denn  die  altern  anerkannten  Meifter  find  auf  ihren  Lorbeern  fitzen
geblieben  und  haben  blos  ihre  jüngern,  nicht  immer  viel  verfprechenden  Schüler
auf  den  Kampfplatz  gefchickt.  Pierre  Metzmacher  und  G.  N.  Bertinot  erfcheinen
  beinahe  als  die  einzigen  refpectabeln  Vertreter  des  gröfsern  monumentalen ­
  Kupferftiches,  und  der  Letztgenannte  ift  vielleicht  der  Einzige,  welcher  feine
Ausführung  mit  tiefer,  kräftiger  Stichelführung  zu  vereinigen  weifs,  z.  B.  in  feiner
Madonna  mit  Stiftern  nach  Van  Dyck.  Auch  in  dem  genrehaften  «Schutzengel»
nach  Bougereau  ift  der  Lichteffect  nicht  ohne  Witz  im  Stiche  wiedergegeben.
Was  fonft  von  Grabftichelblättern  ausgeftellt  war,  gruppirt  fich  um  die  Societe
frangaise  de  gravure,  welche  zugleich  auch  felbft  als  Ausftellerin  auftrat,  fo  dafs
dadurch  einige  Blätter  doppelt  in  der  Ausheilung  vorkamen,  einmal  nämlich
unter  dem  Meifternamen,  das  anderemal  unter  dem  der  Gefellfchaft.  Diefe  ward
im  Jahre  1868  gegründet  und  beruht  auf  Jahresbeiträgen  ihrer  Mitglieder,  denen
dafür  die  beffern  Abdrucksarten  der  Platten  refervirt  find.  Die  Gefellfchaft  verfolgt ­
  den  Zweck,  den  ernften  Kupferftich  zu  fördern,  und  erfreut  fich  des  Präfidiums
  von  Henriquel-Dupont.  Die  Hoffnungen  aber,  welche  man  unter  diefen
Umftänden  auf  die  Pflege  der  alten  Linienmanier  durch  die  Gefellfchaft  zu  fetzen
berechtigt  war,  werden  durch  die  bisher  gelieferten  Blätter  nur  in  fehr  mafsiger
Weife  erfüllt.  Meifl  find  es  anfpruchslofe  Arbeiten  von  Anfängern  oder  Kräften
zweiten  Ranges;  und  auch  jene  Platten,  welche  hervorragenden  Meiftern  ihre
Bearbeitung  verdanken,  ftehen  nicht  auf  der  Höhe  deffen,  was  von  guten  Namen
zu  erwarten  wäre.  So  erklärlich  und  zweckmäfsig  die  Heranziehung  jüngerer
Künftler  zu  den  Aufträgen  der  Gefellfchaft  fein  mag,  fo  bedenklich  ift  das  Abfallen ­
  guter  Meifter  in’s  Mittelmafs,  fobald  fie  für  die  Gefellfchaft  thätig  find.
Lobenswerth  ift  jedenfalls  die  Befchränkung  ihrer  Publicationen  auf  anerkannte
Werke  alter  Meifter.  Mit  der  blofsen  Publication  des  Gegenftandes  erwirbt  sich
aber  eine  folche  Institution  nur  erft  den  kleinern  Theil  ihrer  Verdienfte.  Die  Art
der  Reproduction  fällt  hier  vor  Allem  in’s  Gewicht.  An  deren  technifche  und
künftlerifche  Vollendung  müffen  die  höchften  möglichen  Anfprüche  gehellt  werden.
Am  wenigften  dürfen  fich  tüchtige  Meifter  denfelben  entziehen  und  die  Gefellfchaft ­
  mit  kleinern  Abfällen  ihrer  Kunft  abfertigen.  Wenn  das  möglich  ift,  fo
läfst  es  auf  eine  mangelhafte  Organifation  der  Gefellfchaft  fchliefsen,  fei  es,  dafs
diefelbe  gröfsere  Arbeiten  erfter  Künftler  nicht  zu  beftellen  vermag,  fei  es,  dafs
deren  perfönliche  Stellung  zur  Gefellfchaft  jede  fruchtbare  Kritik  ausfchliefst.  Es
wäre  fehr  zu  beklagen,  wenn  es  auf  diefem  Wege  der  Societe  frangaise  de  gravure ­
  nicht  gelänge,  diejenige  dominirende  Stellung  in  dem  regen  Kunftleben
jenfeits  der  Vogefen  einzunehmen,  deren  fie  zur  endlichen  Erreichung  ihres
fchönen  Zieles  bedarf.
            
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