434
DIE VERVIELFÄLTIGENDEN KÜNSTE.
originalen Aufnahmen des Meifters felbft hervorgegangen find. Das kleine Bildnifs
Grillparzer’s, welches die Gefammtausgabe von deffen Werken ziert, ift die zarte,
mafshaltende Wiedergabe einer frühen Daffinger’fchen Miniature. Einen glücklichen,
fehr lobenswerthen Schritt nach rückwärts machte aber Jacoby mit dem Bruftbilde
Rokitansky’s. Er geht darin von der des Kupferftiches unwürdigen Gepflogenheit
ab, den Kopf des Portraites haltlos in der Luft oder vielmehr auf der weifsen Papierfläche
hängen zu laffen. Mit Verleugnung feiner Reichthümer hatte der moderne
Kupferftich diefe bequeme Ausflucht von der Armuth der Lithographie entlehnt.
Jacoby giebt nun dem geftochenen Bildniffe wieder feinen farbigen Hintergrund
zurück, deffen es bedarf, wenn es als fertiges modernes Kunftwerk und nicht als
Skizze und Bruchltück wirken foll. Eine folche fkizzenhafte Darftellungsweife
fei der Radirung, dem Holzfchnitt und andern leichtern Arten der Technik unverwehrt,
dem fchweren Kaliber des Grabftichels aber ziemen derartige Abkürzungen
nicht. Vielmehr erweift es fleh dem Kupferfliche vortheilhaft, wenn
auch der Grund noch durch irgend eine architektonifche Umrahmung eingefchloffen
und zufammengehalten wird, wie dies Jacoby hier nach dem Beifpiele
der älteren claffifchen Meifter wieder verflicht hat. Eine andere, noch ungleich erfreulichere
Neuerung — wenn wir die Rückkehr zu einer älteren, befferen
Uebung fo nennen dürfen — conftatiren Jacoby’s Bildniffe von Kaifer und
Kaiferin, in ganzer Figur geftochen nach Winterhalter. Das Verdien!! des
Stechers fleht hier um fo höher, je weniger ihm der Maler vorgearbeitet hat.
Immer wieder mufs aber hervorgehoben werden, wie hoch die Gunft der Verhältniffe
anzufchlagen ift, welche dem Künftler einen fo weitgehenden Auftrag
zu Theil werden liefs. Vielleicht dafs das feltene Beifpiel doch Nachfolge findet
und den Mächtigen diefer Erde die Wahrheit zu Gemüthe führt: dafs fleh Standbilder
oder Denkmäler aere perennius am beften mittelft der Kupferplatte herftellen
laffen!
Einen fehr begabten Schüler Jacoby’s lernen wir in Johann Klaus aus Wien
kennen. Der noch unvollendete Abdruck eines grofsen Stiches nach der «Schlacht
vonKolin» von Sigmund L’Allemand, welchen der junge Künftler mit kaiferhcher
Unterftützung ausführt, verfpricht durch feine correcte Zeichnung und feinfühlige
Abtönung einen fchönen Erfolg. Die gleichen Vorzüge vermögen wir leider an
den Radirungen desfelben Künftlers, insbefondere an denen nach Canon, Schmitfon
und Adolf Menzel nicht wahrzunehmen. Zum Gefolge Jacoby’s gehört auch
der gewiffenhafte, liebenswürdige Nürnberger Johannes Sonnenleiter, deffen
«Junge Kätzchen» nach Knaus, «Speckbacher und fein Sohn» nach Defregger
und «Die ereilten Flüchtlinge» nach Kurzbauer überall gerne gefehene Gälte fein
werden. In C. E. Forberg aus Düffeldorf ift der Wiener Stecher-Colonie ein
weiteres Talent zugewachfen. Dies verbürgt der gelungene Stich nach Vautier,
mit dem er auf der Ausheilung debutirte.
Eine feltene Begabung für die ftilgerechte und doch zugleich auch malenfche
Wiedergabe von Architekturwerken befitzt Heinrich Bültemeyer aus Hameln
bei Hannover. Die grofse, prächtige Anficht des St. Stephans-Domes, die er im
kaiferlichen Aufträge vollendet hat, ift, wie keine andere, des Wiener Riefenwahrzeichens
würdig. Und damit auch die Landfchaft und das Thierftück feine Ver-