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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DER FARBENDRUCK. 443 
ihrem Titel nach mehr literarifch-illuftrativen Publicationen 
als dem Oelfarbendrucke zugewendet ift, betheiligte fich, 
neben einer anfehnlichen Ausheilung von nicht in diefen 
Specialbericht gehörenden Arbeiten, mit zwei gröfseren 
Chromolithographien, darftellend «Hirtenfcenen aus der 
Campagna», deren Ausführung, obwohl etwas hart, doch 
im Uebrigen als gelungen zu bezeichnen ift. Die von 
derfelben Firma ausgeflellte «Paffion» für Landkirchen 
mag ihrem Zwecke wohl entfprechen, dagegen hätte ein 
fehr veraltetes Kaiferbild wegbleiben können. Unter der 
Firma Gerold fahen wir die in Farbendruck ausgeführ 
ten, längft bekannten Panoramen vom Semmering und 
die Weftbahnanfichten, während der Schwerpunkt der 
bedeutfamen Thätigkeit diefer altberühmten Firma bekannt 
lich nicht in den Rahmen diefes Berichtes fällt. Theilweife 
recht verdienftvolleLeiftungen des lithographifchen Farben 
drucks lieferten noch Leo Tein, Gerhardt und Sch mut 
ter, während die k. k. Staatsdruckerei, welche früher 
grofse Verdienfte um die Hebung des Farbendrucks fich 
erworben hatte, diefsmal vorwiegend auf anderen Gebieten 
der graphifchen Künfte excellirte. 
Im Ganzen genommen ift zu betonen, dafs feit der 
verhältnifsmäfsig kurzen Zeit, in welcher man fich in Wien 
überhaupt mit diefer Technik befafst hat, mit viel Erfolg 
o-earbeitet worden ift. Den Wiener Unternehmungen wäre 
nur noch zu wünfchen, dafs fie in ihrem Einfluffe auf die 
allgemeine Bildung des künftlerifchen Gefchmackes fo weit 
kommen, ohne Gefährdung ihres gefchäftlichen Betriebes 
fich Aufgaben zuwenden zu können, wie fie von der Kunft 
in der edelften Bedeutung des Wortes gefordert werden. 
Hiezu gehören wohl vor der Hand noch opferwillige 
Männer und w'as diefe nicht zu erzwingen im Stande find, 
wäre fodann die Aufgabe der Vereine. Der erfte Verfuch 
der »Gefellfchaft für vervielfältigende Kunft« mit der 
durch Maraftoni erfolgten Reproduction des fo fchönen 
Aquarellgemäldes des leider der Kunft fo frühzeitig ent- 
riffenen Meifters Bitterlich hat diefe Gefellfchaft ermuthigt, 
eine Folge von Werken der berühmteften alten Meifter 
durch den Farbendruck zu publiciren. Wir begrüfsen 
diefen Gedanken auf’s freudigfte, da nur durch folche 
voranleuchtende Bilder das noch immer etwas unter- 
fchätzte Wefen des Oelfarbendrucks als Reproductions- 
Mittel für Gemälde höchften Ranges zur vollen, würdigen 
Bedeutung erhoben zu werden vermag. Wir fehen, welch 
grofsen Beifall und welche ungewöhnliche Würdigung die 
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