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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DER FARBENDRUCK. 445 
wie auf die ftreng characteriftifche Wiedergabe der individuellen Technik des 
reproducirten Meifters und wenn man hiebei felbflverfländlich nach neuen, freie- 
Eifernes Balkongeländer aus Wafferalfingen, 
nach Entwurf von Profeffor Bäumer in Wien. 
ren, rein malerifchen Mitteln der Technik griff, fo mufste wohl nunmehr dem 
bislang gehandhabten »Schummern« mit der fpitzen Kreide der Krieg erklärt 
werden, um mit Pinfel, Tufche und Meffer weit wirkfamere Effecte erzielen zu 
können. Das durch diefe neuen Mittel erforderte Druckverfahren, zu welchem 
neben anderem auch das von Manchen verpönte Aufftauben von Farben in Pulver 
auf den noch feuchten Abzug gehört, deffen Vorzüge fowohl auf die Erhaltung 
der Farben als auf deren Leuchtkraft von nicht zu unterfchätzendem Einfluffe find, 
hatte allerdings eine weit heiklere Technik bei der Herftellung der Abdrücke 
zur Folge; doch vergalt der Erfolg reichlich den hiemit verbundenen höheren 
Zeitaufwand und den dadurch bedingten höheren Lohn des freilich oft mehr 
künftlerifch als handwerkmäfsig arbeitenden Druckers. Haben wir fchon in der 
öfterreichifchen Abtheilung die fprechenden Zeugniffe all diefer neuen techni- 
fchen Vortheile gefehen, fo finden wir diefelben in eben dem Mafse in den Chro 
molithographien des deutfehen Reiches wieder. Leider ift im Allgemeinen die 
Art der Aufftellung der Chromolithographien hier keine fehr günftige gewefen, 
fo dafs es in der That oft fchwierig war, den Werth der Leiftungen zu erken 
nen. Ueber alle nur möglichen Hinderniffe mufsten wir uns zuweilen Bahn bre-
	        
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