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DER FARBENDRUCK. 445
wie auf die ftreng characteriftifche Wiedergabe der individuellen Technik des
reproducirten Meifters und wenn man hiebei felbflverfländlich nach neuen, freie-
Eifernes Balkongeländer aus Wafferalfingen,
nach Entwurf von Profeffor Bäumer in Wien.
ren, rein malerifchen Mitteln der Technik griff, fo mufste wohl nunmehr dem
bislang gehandhabten »Schummern« mit der fpitzen Kreide der Krieg erklärt
werden, um mit Pinfel, Tufche und Meffer weit wirkfamere Effecte erzielen zu
können. Das durch diefe neuen Mittel erforderte Druckverfahren, zu welchem
neben anderem auch das von Manchen verpönte Aufftauben von Farben in Pulver
auf den noch feuchten Abzug gehört, deffen Vorzüge fowohl auf die Erhaltung
der Farben als auf deren Leuchtkraft von nicht zu unterfchätzendem Einfluffe find,
hatte allerdings eine weit heiklere Technik bei der Herftellung der Abdrücke
zur Folge; doch vergalt der Erfolg reichlich den hiemit verbundenen höheren
Zeitaufwand und den dadurch bedingten höheren Lohn des freilich oft mehr
künftlerifch als handwerkmäfsig arbeitenden Druckers. Haben wir fchon in der
öfterreichifchen Abtheilung die fprechenden Zeugniffe all diefer neuen techni-
fchen Vortheile gefehen, fo finden wir diefelben in eben dem Mafse in den Chro
molithographien des deutfehen Reiches wieder. Leider ift im Allgemeinen die
Art der Aufftellung der Chromolithographien hier keine fehr günftige gewefen,
fo dafs es in der That oft fchwierig war, den Werth der Leiftungen zu erken
nen. Ueber alle nur möglichen Hinderniffe mufsten wir uns zuweilen Bahn bre-