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Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DER  FARBENDRUCK.

chen,  um  dasjenige  mit  eindringendem  Blicke  betrachten  zu  können,  über  das
wir  berichten  follten.  Da  man,  wie  es  fcheint,  die  Oelfarbendruckbilder  in
Goldrahmen  mehr  oder  minder  als  Decoration  für  die  übrigen  Ausftellungsobjecte
  betrachtet  haben  mochte  und  diefelben  demnach  hoch  oder  entfernt  von
dem,  dem  Befchauer  karg  zugemeffenen,  Raume  placirte,  fo  war  es,  wie  diefs  in
der  öfterreichifchen  Abtheilung  durch  deren  Aufteilung  fo  glücklich  vermieden
wurde,  hier  wefentlich  erfchwert,  fich  ein  Gefammtbild  des  Geleifteten  vor  Augen
zu  führen.  In  von  halbem  Lichte  erhellten  Winkeln  fahen  wir  z.  B.  die  ganz
vorzüglich  reproducirten  Werner’fchen  Aquarelle  aus  Aegypten  von  Seitz
in  Wandsbeck  nächft  Hamburg  und  die  höchft  fchätzenswerthen,  mit  Recht
grofsen  Ruf  geniefsenden  Chromolithographien  der  Firma  C.  H.  Gerold  in  Berlin
ausgeftellt,  während  freilich  die  in  ihrer  Treue  der  Imitation  der  individuellen
Characterihik  der  Hildebrandt’fchen  Aquarelle  ganz  einzig  und  unübertroffen
daftehenden  Reproductionen  durch  die  Firma  R.  Wagner  in  Berlin  etwas  günftigere
  Aufhellung  fanden.  A.  Silber,  Grack  &  Aron,  Kaufmann,  wie  die
Firmen  Herrmann  &  Bagantz,  Otto  Troitzfch  und  Steinbock  in  Berlin
führten  gröfstentheils  gute,  oft  bei  guter  Wahl  der  Originale  ganz  ausgezeichnete
Leihungen  auf  dem  Gebiete  der  Chromolithographie  vor.  Freilich  wird  die
Mehrzahl  diefer  Reproductionen  als  Marktwaare  bezeichnet  werden  müffen.
Hat  man  bei  der  Vervielfältigung  durch  den  Kupferftich  fah  immer  nur  getrachtet, ­
  das  Befte  zur  Darftellung  zu  wählen,  fo  find  es  eben  bei  dem  Oelfarbendrucke
  ganz  andere  Bedingungen,  unter  welchen  fich  derfelbe  zum  Handelsartikel
geftaltet  hat.  Das  Bild  mit  dem  roheften  Farbeneffect  bringt  zumeift  dem  Unternehmer ­
  mehr  Gewinn  als  das  folidefte,  nach  allen  Richtungen  hin  fublimfte
Kunhwerk.  Da  nun  aber  auch  die  Aufhellung  der  Chromolithographien  in  der
Weltausheilung  weniger  unter  dem  künhlerifchen  als  einem  merkantilen  Gefichtspunkte
  gefchah,  fo  ih  es  um  fo  begreiflicher,  wenn  die  billige,  alltägliche  Marktware ­
  den  Vorfprung  gewann.
So  reichhaltig  und  fchön  Berlin  vertreten  war,  eine  fo  kärgliche  Thätigkeit
fahen  wir  München  auf  dem  Gebiete  der  Chromolithographie  entwickeln  und
wenn  auch  die  Firmen  Forndran,  Schreiner,  fowie  Aug.  Becker  recht  viel
Anerkennenswerthes  anhrebten,  fo  fcheinen  doch  die  dafelbh  herrfchenden  Kunhverhältniffe
  nicht  die  Stätte  zu  gröfseren,  diefsbezüglichen  Etabliffements,  demnach ­
  zu  weiterer  Entwicklung  in  der  Pflege  der  graphifchen  Künhe  überhaupt
bieten  zu  wollen.  Aus  Stuttgart  fahen  wir  die  Firmen  E.  Hochdanz  und
Guh.  Weife  mit  guten  Publicationen  —  namentlich  was  fchöne  Illuhrationen
betrifft  —  vertreten,  ebenfo  Leipzig  durch  die  Bach’fche  Kunhanhalt  und
durch  die  Collectiv-Ausheilung  des  Brockhaus’fchen  Verlages  auf  dem  Gebiete ­
  des  Farbendrucks.  Brandes  und  Wolff  aus  Hannover  hellten  recht
anerkennenswerthe  Oeldruckbilder  aus;  namentlich  mufs  die  ernhe,  colorihifche
Haltung  in  dem  Blatte  nach  Rembrandt  anerkannt  werden.
Eine  höchh  bedeutende  Stellung  nimmt  Frankreich  auch  auf  diefem
Gebiete  der  Technik  ein,  und  feine  Vertretung  auf  der  Ausheilung  ih  eine
glänzende  zu  nennen.  Wenn  etwa  gefagt  werden  follte,  dafs  es  dem  Franzofen
gegenüber  dem  Deutfchen  an  Erfindung  mangle,  fo  erfetzt  derfelbe  diefen  Man-
            
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