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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DER FARBENDRUCK. 
nach vermögen wir auch ganz aufserordentliche Eeiftungen nicht nur in der 
Imitation von Oelgemälden und Miniaturen, fondern auch in jenen Mufterwerken 
zu conftatiren, welche in das Gebiet der Artitektur, der Bautechnik wie des Kunft- 
gewerbes einlchlagen. Die Firmen Dupuy und Hangard-Mauge brachten 
wohl das Belle zur Schau, was gemacht werden kann. Des Edleren Genrebilder 
und ThierfUicke find in der Feinfühligkeit der Imitation ganz einzig in ihrer Art, 
und eine wahre Blumenlefe moderner Leihungen auf dem Gebiete der Chromo 
lithographie erblicken wir in den Publicationen des Letzteren. Die Darftellungen 
des Genter Altars der Brüder van Eyck, wie jener köfllichen Initialen u. a. 
Dinge verdienen die vollhe Bewunderung. Teftu und Maffin, Aeppel, 
Boulant d. Ae. und Morel reihen fich in würdiger Vertretung den Erft- 
genannten an. Allenthalben fanden wir die raffinirteflen technifchen Mittel 
fowohl in der Behandlung der Zeichnung als in der des Druckverfahrens mit voll- 
ftändigem Erfolge zur Anwendung gebracht. Daffelbe lafst fich auch von den 
Unternehmungen fagen, welche mehr der Gefchäftsmäfsigkeit als den ftreng 
künltlerifchen Normen Folge leiflen, wovon uns die Ausheilung von Berg in 
Marfeille, J. Bognard d. J. nebft Anderen Zeugnifs gaben. Es kann demnach 
mit Recht gefagt werden, dafs der gefällige franzöfifche Gefchmack auch das 
allenfalls gebotene rohe Material beherrfche, womit fich felbflverftändlich die 
mitunter derbe Kofi, eben durch die Art wie fie gereicht wird, in eine anmuthende, 
leicht verdauliche Speife verwandelt. 
Ganz merkwürdig gering vertreten fanden wir den Farbendruck Englands. 
Da, wo namentlich in der Imitation des Aquarells fo Glänzendes lange fchon 
geleihet wurde, wo die Verbreitung und Pflege der Chromolithographie, un- 
terflutzt durch die mächtigen Handelsverbindungen der Nation, die grofsartig- 
ften Dimenfionen angenommen haben, wo demnach bei der fo aufserordentlichen 
Production ein überreiches Material zur Verfügung gewefen wäre, hat man es 
unterlaffen, fich an dem allgemeinen Wettkampfe zu betheiligen. Während dem 
nach Frankreich diefen Zweig der Kunft durch eine umfaffende Ausheilung feiner 
Productionen würdigte, fanden wir in der englifchen Abtheilung nur eine einzige 
Firma, John B. Day, anfangs auf einem befcheidenen Plätzchen nächh einer 
in die Annexe mündenden Thür pohirt, welche vier Oelgemälde- Imitationen, 
Niagara- und Strand-Anfichten, das Abendmahl von Lionardo da Vinci und 
irgend ein Repräfentatwonsbild, welches bereits durch Feuchtigkeit befchädigt 
war, aushellte. Die Behandlung diefer unter Glas gebrachten Chromolithogra 
phien zeichnete fich, bei einiger an die Xylographie erinnernden Härte des Vor 
trags, durch grofse Präcifion der Zeichnung, durch minutiös beobachtetes Auf 
einanderpaffen der einzelnen Farbenplatten, wie überhaupt durch die gröfste 
Sorgfalt der Technik aus. Jedoch von all’ den in der ganzen Welt epochema 
chenden Leihungen, welche wir feit einer Reihe von Jahren theils in den fo emi 
nent durchgeführten Nachbildungen berühmter alter Gemälde, theils in einer Un- 
maffe von grofsen, in breiter und ebenfo virtuofer Aquarellmanier gehaltenen 
Anfichten aus Italien, der Schweiz, Schottland u. f. w., ferner in zahlreichen 
Thierhücken und Landfchaften nach modernen englifchen Malern, endlich in den 
beliebten Darhellunsen aus der Rennbahn oder dem landwirthfchaftlichen Thier-
	        
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