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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

DIE PHOTOGRAPHIE. 
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englifchen Ausftellung auch die Thieraufnahmen von Frank Haes (London) und 
die Stereoskopen der Londoner Phographic Company. England hatte auf der 
Weltausftellung in impofanter Weife feine Colonien repräfentirt, und es fpielten 
in den äufserft fyftematifch angelegten Expofitionen von Queensland und Indien 
die Photographien eine wichtige Rolle. Von höchftem Intereffe waren darunter 
die Anfichten aus den Hindulähdern, in welchen uns vorzugsweife die Denkmäler 
welt diefes Wunderlandes vor Augen geführt wurde. 
Aus der Ferne unfere Blicke wieder zur nächften Heimath, zu Deutfchland 
wendend, treffen wir die Photographie wie kaum in einem anderen Staate der 
Welt im Dienfle der Kunfl. Die Reproduction von Zeichnungen und Gemälden 
moderner und alter Meifter wird nirgends grofsartiger und vollkommener betrie 
ben als von den bekannten Münchener Photographen Albert, Bruckmann, 
Hanfftängl und Obernetter, welcher Letztere neben Albert im Lichtdruck die 
bellen Leitungen auf der Ausftellung aufzuweifen hatte. Es ift wohl überflüffig, 
hier auf die einzelnen Publicationen diefer Firmen einzugehen; fie haben längft 
den Weg durch alle Welt gemacht. Mit Kohlebildern excellirte, wie fchon oben 
angedeutet:, Braun (Dörnach). Auffallend fchwach war in Bezug auf Repro 
duction Berlin vertreten, dagegen war Brillantes in directeh Aufnahmen von Por- 
traits, Genreftücken etc. vorhanden; die Arbeiten der Firmen Löfcher & 
Petfch, Th. Prüm, Schaarwächter und Brafch find hier befonders hervor 
zuheben; von den Uebrigen feien aus der Maffe noch R. Eich (Dresden), Bie 
ber, Benque & Kindermann (Hamburg) und Hanfftängl (München) erwähnt. 
Photographifche Naturftudien bilden ein neues, noch weiter auszubeutendes 
Feld, in welchem jedoch hie und da fchon mit beftem Erfolge gearbeitet wird. 
Obenan find hier Bernhard Johannes’ (Partenkirchen) „Studien aus dem baierifchen 
Hochgebirge“ und Völkerling’s „Bäume“ zu nennen. Eine hochintereffante 
Sammlung reizvoller Motive brachten auch Eckart und Richard (Heidelberg) 
aus dem Nekarthale und der unvergleichlichen Schlossruine am Eingänge deffelben. 
Grün neben Architektur, malerifch modellirt und klar bis in’s tieffte Dunkel, bil 
dete einen befonderen Vorzug von F. Suck’s (Berlin) Arbeiten, unter welchen 
auch reizende Interieurs zu finden waren. Von den Leiftungen in Architektur 
aufnahmen überhaupt find F. Peter’s grofse Blätter vom Strafsburger Münfter 
als befonders gelungen zu verzeichnen. Den Architekten hat die Photographie 
fchon manche Reife erfpart und mit welcher Rührigkeit heutzutage auch für die 
Kunftwiffenfchaft in diefer Sphäre gearbeitet wird, davon gaben die Wände der 
Ausheilung genugfam Zeugnifs. 
Die Parifer Photographen machten vor Jahren mit ihren grofsen Louvre- 
Anfichten den Anfang damit, für die Architekturfchulen zu arbeiten; die Deut- 
fchen fäumten nicht mit zahlreichen Denkmälern ihrer Gothik; die Denkmäler der 
Renaiffance wanderten in Lichtbildern ebenfo maffenhaft über die Alpen, wie die 
Schätze des alten Rom und Griechenlands; die Collodionplattefn drangen am Nil bis 
zu dem alten Meroe hinauf und zogen in Hindoftan die verflechten Heiligthümer 
der Brahmanen an das Licht der civilifirten Welt. Bewunderungswürdig ifl die tech- 
nifche Vollkommenheit, mit welcher nahezu allerorts gearbeitet wird. Es feien 
von den Deutfchen ihrer hervorragenden Leiftungen wegen auf diefem Gebiete
	        
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