DIE PHOTOGRAPHIE.
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englifchen Ausftellung auch die Thieraufnahmen von Frank Haes (London) und
die Stereoskopen der Londoner Phographic Company. England hatte auf der
Weltausftellung in impofanter Weife feine Colonien repräfentirt, und es fpielten
in den äufserft fyftematifch angelegten Expofitionen von Queensland und Indien
die Photographien eine wichtige Rolle. Von höchftem Intereffe waren darunter
die Anfichten aus den Hindulähdern, in welchen uns vorzugsweife die Denkmäler
welt diefes Wunderlandes vor Augen geführt wurde.
Aus der Ferne unfere Blicke wieder zur nächften Heimath, zu Deutfchland
wendend, treffen wir die Photographie wie kaum in einem anderen Staate der
Welt im Dienfle der Kunfl. Die Reproduction von Zeichnungen und Gemälden
moderner und alter Meifter wird nirgends grofsartiger und vollkommener betrie
ben als von den bekannten Münchener Photographen Albert, Bruckmann,
Hanfftängl und Obernetter, welcher Letztere neben Albert im Lichtdruck die
bellen Leitungen auf der Ausftellung aufzuweifen hatte. Es ift wohl überflüffig,
hier auf die einzelnen Publicationen diefer Firmen einzugehen; fie haben längft
den Weg durch alle Welt gemacht. Mit Kohlebildern excellirte, wie fchon oben
angedeutet:, Braun (Dörnach). Auffallend fchwach war in Bezug auf Repro
duction Berlin vertreten, dagegen war Brillantes in directeh Aufnahmen von Por-
traits, Genreftücken etc. vorhanden; die Arbeiten der Firmen Löfcher &
Petfch, Th. Prüm, Schaarwächter und Brafch find hier befonders hervor
zuheben; von den Uebrigen feien aus der Maffe noch R. Eich (Dresden), Bie
ber, Benque & Kindermann (Hamburg) und Hanfftängl (München) erwähnt.
Photographifche Naturftudien bilden ein neues, noch weiter auszubeutendes
Feld, in welchem jedoch hie und da fchon mit beftem Erfolge gearbeitet wird.
Obenan find hier Bernhard Johannes’ (Partenkirchen) „Studien aus dem baierifchen
Hochgebirge“ und Völkerling’s „Bäume“ zu nennen. Eine hochintereffante
Sammlung reizvoller Motive brachten auch Eckart und Richard (Heidelberg)
aus dem Nekarthale und der unvergleichlichen Schlossruine am Eingänge deffelben.
Grün neben Architektur, malerifch modellirt und klar bis in’s tieffte Dunkel, bil
dete einen befonderen Vorzug von F. Suck’s (Berlin) Arbeiten, unter welchen
auch reizende Interieurs zu finden waren. Von den Leiftungen in Architektur
aufnahmen überhaupt find F. Peter’s grofse Blätter vom Strafsburger Münfter
als befonders gelungen zu verzeichnen. Den Architekten hat die Photographie
fchon manche Reife erfpart und mit welcher Rührigkeit heutzutage auch für die
Kunftwiffenfchaft in diefer Sphäre gearbeitet wird, davon gaben die Wände der
Ausheilung genugfam Zeugnifs.
Die Parifer Photographen machten vor Jahren mit ihren grofsen Louvre-
Anfichten den Anfang damit, für die Architekturfchulen zu arbeiten; die Deut-
fchen fäumten nicht mit zahlreichen Denkmälern ihrer Gothik; die Denkmäler der
Renaiffance wanderten in Lichtbildern ebenfo maffenhaft über die Alpen, wie die
Schätze des alten Rom und Griechenlands; die Collodionplattefn drangen am Nil bis
zu dem alten Meroe hinauf und zogen in Hindoftan die verflechten Heiligthümer
der Brahmanen an das Licht der civilifirten Welt. Bewunderungswürdig ifl die tech-
nifche Vollkommenheit, mit welcher nahezu allerorts gearbeitet wird. Es feien
von den Deutfchen ihrer hervorragenden Leiftungen wegen auf diefem Gebiete