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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DIE PHOTOGRAPHIE. 
Italien brachte in der Photographie nicht viel Neues zur Ausftellung; 
die weltbekannten Arbeiten der Firma Naya (Venedig) fanden ihrer Lichteffecte 
und der herrlichen Motive halber die meiden Bewunderer; auch Bertoja’s Auf 
nahmen enthielten manches Blatt von gelungener künftlerifcher Stimmung; im 
Uebrigen fanden wir in vorzüglichen Bildern das alte Rom von Cuccioni s 
Wittwe, Architekturen vön Roffetti (Brescia), darunter aus vielen Stücken zu- 
fammengefetzt, mit Retouchen ergänzt, im Coloffalmafsftabe die reizvolle Fagade 
der Kirche S. Maria dei Miracoli in Brescia. Das Portrait war nur von den Ve- 
netianern vertreten und bot nichts Befonderes. 
Auffallend fchwach war die Schweiz in der Photographie beftellt; aufser 
Charn aux’s (Genf) Landfchaften war in diefetn für das Land fo dankbaren Genre 
nichts von Bedeutung vorhanden; auch von den Portraits konnte nichts hervor 
ragend genannt werden. 
Anziehenderes brachte die Expofition der Niederlande, wo Vorzügliches 
im Lichtdruck von C. J. Affer (Amfterdam), Binger & Chits (Harlem) und N. 
B. Verveer (Haag) zu finden war; des letzteren Portraits überralchten durch 
freie künftlerifche Auffaffung und effectvolle Beleuchtung. 
Von den Belgiern find fehr hübfche Lichtdrucke und gute Kohlebilder von 
Geruzet freres (Brüffel) zu verzeichnen; J. Fierlants’ vorzügliche Reproductio- 
nen, namentlich der Wiertz’fchen Bilder find bekannt. Neyt’s Mondphotogra 
phien können fich mit den beften englifchen Arbeiten diefer Art meffen. Schwe 
den, Norwegen und Dänemark boten aufser guten Portraits nichts Bemer- 
kenswerthes. Von Portugal verdienen die reizvollen Madeira-Aufnahmen von 
Carlos Revals (Oporto) unbedingtes Lob. Das Obfervatorium in Liffabon hatte 
gelungene Sonnenaufnahmen ausgeftellt. Die Denkmäler Griechenlands wur 
den in ausgezeichneten Lichtbildern von P. Morai'tis (Athen) dem Publicum 
vorgeführt, Conftantinopel hatte in den Photographen P. Sebach feinen Re- 
präfentanten und Aegypten in J. Schöfft (Cairo). Schöffts Arbeiten waren 
im Palaft des Khedive ausgeftellt und beftanden in Charakterbildern, die vom 
Vicekönig von Egypten eigens beftellt wurden, um „Land und Volk“ am Nil 
zu illuftriren. 
Die Photographie America’s war nur in Silberpapier-Bildern vertreten; es 
brillirten im Portrait W. Kurtz und W. R. Howell (New-York) und James 
Landy (Cincinnati); ausgezeichnete Landfchaftsaufnahmen gröfsten Formats und 
befonders für Geologen und Geographen von hohem Intereffe, hatte E. Wat- 
kins, Muybridge und Th. Houfeworth (San-Francisco) ausgeftellt. Die 
Leiftungen in der Stereoscop-Photographie von Ch. Bierftadt und Anthony 
(New-York) gehörten zu dem Vollkommften, was derart auf der Ausftellung zu 
fehen war. 
Was die Photographie für die Wiffenfchaft, Kunft und Induftrie in der ge 
genwärtig erreichten Technik zu leiften vermag, und welche wichtige Rolle ihr 
als Bewahrerin vorübergehender Ereigniffe zufällt, zeigte übrigens am fchlagendften 
die Ausbeute, welche in diefer Beziehung während des internationalen Feftes 
felbft gemacht wurde. Noch bei keiner der früheren Ausheilungen wurde durch 
die Photographie der Reichthum des Sehenswerthen in fo umfaffender und kla-
	        
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