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MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

Sammet-Bordüre  von  Drächsler  in  Wien.

Aeussere  und  innere  Decoration  der  Ausstellungsbauten.
Des  fchönften  Schmuckes,  deffen  (ich  die  Gefammtanlage  der  Wiener  Weltausftellung
  rühmen  kann,  der  herrlichen  Praterauen  mit  ihren  ehrwürdigen  Baumgruppen, ­
  ift  bereits  bei  der  Befchreibung  des  Ausftellungspalaftes  Erwähnung  gefchehen.
  Unvergeffen  bleibe  dabei  aber  auch  das  Verdienft  des  Gartenkünftlers
und  Architekten,  durch  welche  diefes  malerifch  verfchlungene  grüne  Band  mit
der  fymmetrifch  angeordneten  Gruppe  der  Hauptgebäude  in  Einklang  gebracht
worden  ift.  —  Gartenkünftlerifche  Leiftungen  von  höherem  Werth  hat  unfere  Zeit
bekanntlich  nur  fehr  wenige  aufzuweifen;  wir  meinen  folche,  in  denen  die  Architektur ­
  eine  Bolle  fpielt.  Das  landfchaftliche  Element  hat  in  der  modernen
Gartenkunft  das  architektonifche  verdrängt,  fogar  aus  derjenigen  Pofition  verdrängt,
welche  von  Rechtswegen  ftets  die  Domaine  der  Architektur  bleiben  follte,  den
Parkanlagen  innerhalb  der  Städte.  Gerade  in  diefem  Gebiete,  in  der  Bepflanzung
von  Plätzen,  in  der  Anlage  von  Squares  werden  heutzutage  die  unglaublichften
P'ehler  begangen,  auch  in  Wien,  das  fleh  einer  fo  reichen  und  felbftbewufsten
Entwicklung  feiner  modernen  Architektur  und  dazu  in  feiner  allernächften  Nähe,
in  der  Parkanlage  von  Schönbrunn,  eines  fo  claffifchen  Mufters  architektonifcher
Gartenkunft  rühmen  kann.  Der  Stadtpark  möge  noch  hingehen;  er  liegt  wenigftens
  zum  Theil  am  Ufer  eines  —  freilich  wenig  reizenden  —  Flüfschens  und  ift
auf  zwei  Seiten  von  Alleen  und  älteren  Gartenanlagen  eiügefäumt:  ein  Garten
zwifchen  Gärten.  Aber  ganz  verkehrt  ift  es,  wenn  man  das  im  Stadtparke  befolgte ­
  Princip  nun  auch  auf  den  neuen  Rathhauspark  anwendet  und  hier,  wo  nur
einige  Reihen  fchattiger  Bäume  mit  fchönen  Springbrunnen  und  Exedren  am
Platze  gewefen  wären,  ein  kleinliches  Gewinde  von  Wegen  und  Plätzchen  fleh
ausbreiten  läfst,  das  mit  Blumenbeeten  und  Gebüfch  allerdings  recht  zierlich  gefchmückt
  ift,  aber  für  den  rafchen  und  bequemen  Verkehr  weder  die  praktifchen
Vortheile,  noch  für  den  Luftwandelnden  die  Annehmlichkeiten  darbietet,  wie  die
fchattige  Kühle  der  Alleen,  vor  Allem  aber  ftyliftifch  an  diefen  Ort  nicht  pafst,
der  von  drei  monumentalen  Gebäuden  erften  Ranges  begränzt,  der  Mittelpunkt
des  ftädtifchen  Lebens  im  neuen  Wien  zu  werden  beftimmt  ift.
Wie  eine  folche  Aufgabe  zu  löfen,  wie  die  Verbindung  von  Gartenkunft  und
Architektur  herzuftellen  ift,  um  dadurch  einen  wahrhaft  impofanten  Eindruck  zu
            
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