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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

ARCHITEKTONISCHE ZEICHNUNGEN UND MODELLE. 
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Die Ausftellung Wiens, — denn aus den Provinzftädten Cisleithaniens war 
nur Prag mit zwei Entwürfen vertreten, — mufste ein ungewöhnliches Intereffe 
erregen, da hier die Projecte und Modelle von fo bedeutenden Monumental 
bauten Vorlagen, wie fie in folcher Weife in gleichzeitiger Ausführung nur 
äufserft feiten in der Gefchichte Vorkommen. 
Unter den Kirchenbauten fiel uns zunächft von Schmidt die Choranficht 
von St. Stephan mit den zu gleicher Höhe ausgebauten zwei Thürmen in’s Auge. 
Das zweite Project, die Fünf hau fer Kirche, ift eines der intereffanteflen Bei- 
fpiele des Compromiffes zwifchen der Gothik und der römifchen Antike, indem 
Grundrifs des Palais Helfert in Wien; zweiter Stock. 
diefe ihre Formen zur Bildung einer bedeutenden Kuppel hergibt. Das Aeufsere 
ift ungemein lebendig in Rohbau durchgeführt; das Innere mit möglich!! wenig 
architektonifchen Gliedern durchweg auf Malerei berechnet. Für die Votiv 
kirche waren zwei Farbenfkizzen von Jobft ausgeftellt. 
Vom Aeufsern des künftigen Wiener Rathhaufes von Schmidt gab ein Modell 
eine. Vorftellung. In kräftiger, durch italienifche Horizontalgliederungen durch 
brochener und umrahmter Gothik ift es aufgebaut; an der Fagade finden lieh 
offene Bogengänge zu jeder Seite des Thurmes. Neben dem Modell hingen die 
Grundriffe, von muftergultiger Regelmäfsigkeit, in denen ausgedehnte Treppen 
anlagen zu den zahlreichen Repräfentationsräumen in s Auge fallen. 
Ferftel’s Univerfitätsbau war ebenfalls durch ein Modell veranfchaulicht. 
Das reich gruppirte Aeufsere enthält Partieen, in denen die edelften h ormen des 
Cinquecento zum Ausdruck kommen; der Schwerpunkt der ganzen Anlage liegt 
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