ARCHITEKTONISCHE ZEICHNUNGEN UND MODELLE.
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Die Ausftellung Wiens, — denn aus den Provinzftädten Cisleithaniens war
nur Prag mit zwei Entwürfen vertreten, — mufste ein ungewöhnliches Intereffe
erregen, da hier die Projecte und Modelle von fo bedeutenden Monumental
bauten Vorlagen, wie fie in folcher Weife in gleichzeitiger Ausführung nur
äufserft feiten in der Gefchichte Vorkommen.
Unter den Kirchenbauten fiel uns zunächft von Schmidt die Choranficht
von St. Stephan mit den zu gleicher Höhe ausgebauten zwei Thürmen in’s Auge.
Das zweite Project, die Fünf hau fer Kirche, ift eines der intereffanteflen Bei-
fpiele des Compromiffes zwifchen der Gothik und der römifchen Antike, indem
Grundrifs des Palais Helfert in Wien; zweiter Stock.
diefe ihre Formen zur Bildung einer bedeutenden Kuppel hergibt. Das Aeufsere
ift ungemein lebendig in Rohbau durchgeführt; das Innere mit möglich!! wenig
architektonifchen Gliedern durchweg auf Malerei berechnet. Für die Votiv
kirche waren zwei Farbenfkizzen von Jobft ausgeftellt.
Vom Aeufsern des künftigen Wiener Rathhaufes von Schmidt gab ein Modell
eine. Vorftellung. In kräftiger, durch italienifche Horizontalgliederungen durch
brochener und umrahmter Gothik ift es aufgebaut; an der Fagade finden lieh
offene Bogengänge zu jeder Seite des Thurmes. Neben dem Modell hingen die
Grundriffe, von muftergultiger Regelmäfsigkeit, in denen ausgedehnte Treppen
anlagen zu den zahlreichen Repräfentationsräumen in s Auge fallen.
Ferftel’s Univerfitätsbau war ebenfalls durch ein Modell veranfchaulicht.
Das reich gruppirte Aeufsere enthält Partieen, in denen die edelften h ormen des
Cinquecento zum Ausdruck kommen; der Schwerpunkt der ganzen Anlage liegt
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