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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DIE EXPOSITION DES AMATEURS. 
und bemerkenswerther Dinge. Aber das unmittelbare Vermengen von Kunfl- 
fachen mit folchen Dingen, die blos antiquarifche, archäologifche oder gar nur 
ethnographilche Bedeutung haben, bewies, in welcher Unklarheit über Zweck und 
Tendenz des Ganzen fich hier die Leiter und Veranflalter der Ausftellung 
befunden hatten. Japanifche Rüftungen und antike Bronzen, Handzeichnungen 
von Rembrandt und Dürer, prähiflorifche Rede, Alles im bunten Durcheinander 
— ein Bild der Weltausftellung im Kleinen. Merkwürdig war nur, dafs Ungarn, 
das doch im Ausflellungspalafl mit dreifarbigen Fahnen, ausgeflopften Honveds 
und ähnlichen Erzeugniffen feines heimifchen Bodens fo ungeheuer viel «Nationali 
tät» entfaltete, im Departement der alten Kunft fich ganz und gar kosmopolitifch 
zeigte. Wir wären z. B. für eine Repräfentation der älteren nationalen Kunfl- 
induftrie, der Goldfchmiedekunft und dergl. dankbarer gewefen, als für Kupferftiche 
von Marc-Anton und fremdländifche Miniaturmalereien von zweifelhaftem Werthe. 
Spanien hatte trotz der Ungunft der Verhältniffe doch einigen Anlauf ge 
nommen, Proben feiner Kunflthätigkeit früherer Zeiten zur Schau zu bringen. 
Im erden Stockwerke des fpanifchen Pavillons fah man, allerdings untermengt 
mit gar difparaten Dingen, Harnifche und Waffen verfchiedener Epochen, Holz- 
fchnitzereien, Möbel, Metallarbeiten und Gobelins, die zumeid durch ihre ausge 
prägte iberifche Charakteridik recht anziehend waren, wenn auch ihre Wirkung 
fehr beeinträchtigt wurde durch die ungündige Nachbarfchaft von allen mög 
lichen Natur- und Indudrieproducten. 
Neben denjenigen Staaten, die überhaupt keinerlei Andalten zu einer Aus- 
dellung alter Kund getroffen hatten, wie Frankreich, Holland, Belgien etc., fchie- 
nen andere das Princip befolgt zu haben, den dafür angewiefenen Raum aller 
dings freizulaffen, fleh im Uebrigen aber nicht weiter mit der Sache zu befaßen, 
und diefes Gebiet Antiquitätenhändlern und jener bekannten Sorte von Befltzern 
unfehätzbarer Raritäten, als Gemälden von «Raffael» u. f. w. zu überlaffen. 
Dies war der Fall bei England, Italien, Rufsland, theilweife auch bei der 
Schweiz u. a. Allerdings bot der für den in Rede flehenden Zweck fchliefslich 
übrige Raum keine Möglichkeit zu halbwegs genügender Entfaltung —• und fo 
war es nur dem blofsen Zufall zu danken, wenn der Befucher am Ende doch 
noch hie und da ein bemerkenswertheres Stück notiren konnte. 
Die Schuld dafür, dafs dies fo und nicht anders gekommen id, trifft einzig 
und allein die Generaldirection. Die Befitzer von alten Kundwerken, die ja nicht 
wie andere Ausdeller an dem Zurfchaudellen ihres Eigenthums irgend ein 
directes und materielles Intereffe haben konnten, zogen fich alsbald verflimmt 
zurück, als fie von der Art der «Organifation» diefes Theils der Ausdellung 
nähere Kenntnifs erhielten. Als documentarifches Zeugnifs der Unfähigkeit 
der Leitung bleibt der Nachwelt der gedruckte Kundkatalog erhalten. Ihn hat 
in diefem Berichte fchon ein anderer Mitarbeiter in fchlagender Weife gekenn 
zeichnet ; für feine Brauchbarkeit fprechen allein fchon zur Genüge Bezeichnungen, 
wie: «Sogenannte Objets dArt» oder «Kundgegendände von alten berühmten 
Kündlern» u. dergl. 
Die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, die in der Weltausdellung befindlichen 
alten Kundfachen von irgend einem Gefichtspunkte aus in dreng fydematifcher
	        
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