DIE EXPOSITION DES AMATEURS.
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Bezug auf das Alter, fo doch in Rücksicht auf hiftorifchen Kunftwerth eine
Reihe von fogenannten Speifekelchen an, d. h. grofsen Kelchen, wie fie im
im Gebrauche waren, als auch noch die Laien den Kelch empfingen. Die vor-
züglichflen darunter find: der aus St. Peter in Salzburg in getriebener Arbeit
und der aus Stift Wüten in Tirol mit reichem Schmuck von niellirten Gra-
virungen (f. die Abbildung).
Die vortreffliche Ausführung der eingeftochenen Zeichnung bei letzterem
mit ihren klaren, feil umfchriebnen Contouren fteigert fich namentlich in der
Mitteldarflellung der Patene, den heiligen Frauen, die zum Grabe Chrifti kom
men, zu wahrhafter Grofsartigkeit, und nur die Beigabe der im Körperverhältnifs
zu den übrigen handelnden Figuren gar zu winzigen fchlafenden Kriegsknechte
gemahnt an die kindliche Kunft der Frühzeit des 12. Jahrhunderts. Das Niello
mit feinem zarten silbergrauen Ton bildet einen feinen Gegenfatz zu dem Schim
mer des Metalles, es hebt die Darftellung genügend hervor, ohne die Form
wirkung des verzierten Gegenftandes zu alteriren, wie dies etwa das bunte
Email thut.
Die fpätere Zeit der Renaiffance hat das Niello aufser Uebung gebracht,
nachdem es in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts namentlich in Italien zu
einer hohen Stufe der künftlerifchen Ausbildung gebracht worden war, gepflegt
von Meiftern wie Maso Finiguerra, Antonio Pollajuolo, Giovanni di Matteo Dei
und Marc Anton Raimondi. Während aber die mittelalterlichen Niellowerke,
wie das vorhin befchriebene, meiffens blofs Contourzeichnungen find, bei denen
mit einfachen Linien nur die Umriffe und die hauptfächlichften Innenformen ange
deutet wurden, fehen wir fie in der fpäteren Zeit als getonte Grifaillen behandelt,
bei denen den Grund bald das metallifche Silber, bald die fchwarze Niellomaffe
felbft bildet, auf der in letzterem Falle die Darftellung, ausgefpart, filberweis fich
hervorhebt.
Unter Nr. 29 und 31 hatte Baron Rothfchild zwei koftbare Niellotafeln von
je etwa 15 Zoll Höhe und 10 Zoll Breite ausgeftellt. Diefe Tafeln bildeten
urfprünglich die Decken eines Evangeliariums und zählen in Bezug auf den Reich
thum der Ausführung, auf ihre Gröfse, wie nicht minder in Rücksicht auf ihren
Kunftwerth zu den allerbedeutendften italienifchen Niellowerken des 15. Jahr
hunderts, die wir kennen. Jede der Tafeln befteht aus einer Anzahl von ein
zelnen ftreifenförmigen, dreieckigen und quadratifchen Platten, die ehemals
durch ein jetzt verlorenes metallenes Rahmenwerk zufammengehalten waren. Die
Mittelfelder find aus über Eck geflehten Quadraten gebildet, auf deren einem
die Geburt, auf deren anderm die Taufe Chrifti dargeftellt ift, darüber in läng
lichen Streifen Verkündigung und Abendmahl, darunter die Anbetung der Könige
und Auferweckung des Lazarus. Die Einfaffung bilden Ornamentfriefe mit
muficirenden Engeln zwifchen Wappenfchildern mit dem Cardinaishut. Es
ift das Wappen des Giovanni Balbo, Bifchofs von Albano, der 1467 den Purpur
erhielt*). Dem allgemeinen Kunftcharakter nach gehört diefes unvergleichliche
Werk entfchieden der Florentiner Schule an, und feine Datirung ift durch die
eben erwähnte Jahreszahl ungefähr gegeben; aber einen Meifternamen dafür auch
*) Cicognara, Memorie fpettanti alla floria della calcografia, p. 60.