DIE EXPOSITION DES AMATEURS.
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wie dies z. B. darin feinen Ausdruck findet, dafs das holländifche Silbergefchirr
ihn 17. Jahrhundert im Gegenfatz zu früheren Zeiten beinahe durchweg in feiner
natürlichen Farbe beiaffen wird, ähnlich dem Verhältnis der Delfter Faience
zur Majolika und zur err.aillirten älteren Poterie.
Die runde Schlüfsel mit dem dazu gehörigen Pocal, (Nr. 827,1) Eigenthum
der Bürgergemeinde Bern ift ein Schauftück erften Ranges, in der Mitte ganz
bedeckt mit getriebenen Darftellungen aus der Gefchichte der Stadt in drei Segmenten:
INITIVM BERNE, PRyELIVM. AD. MORTENAV., PVGNA. AD.
LAMPEN., dazwifchen reiches Ornamentenwerk im Stile des Virgil Solis und
ähnlicher Kleinmeifter der fpätern Zeit. Bunte Harzfarben als eine Art Surrogat
der Emaillirung, und cabochon-artig gefchliffene Bergkryftallfteine, die an
der Innenfläche mit leuchtenden Farben gemalte Wappen tragen, fteigern noch
den üppigen Effect diefes Kleinodes. Der Katalog, genau und fachlich wie immer,
nennt diefe Bemalung des Bergkryffalls „mit glühenden Farben auf Metallgrund
aufgetragen.“ Es ift aber jene eigenthümliche, dem Belegen der Spiegel verwandte
Technik, die auf Glas und Bergkryftall angewendet wurde, der Art, dafs
die Belegung mit Gold und Farben, von vorne gefehen, als Malerei hinter dem
Glafe erfcheint. In Frankreich nennt man derartige Gläfer Verres eglomises;
eine deutfche Benennung ift mir dafür nicht bekannt. Die Technik ift übrigens
fehr einfach und wäre der künftlerifchen Wiederaufnahme in hohem Grade werth.
Heutzutage pflegt man nur noch Auffchriften, Schilder u. dgl. auf oder vielmehr
hinter Glastafeln in diefer Weife zu malen — alte derartige Arbeiten finden wir
aber oft von grofser Feinheit, von den antik-römifchen vergoldeten Gläfern angefangen
bis tief in das 18. Jahrhundert hinein.
Eine weitere glänzende Folge von „Scheuren“ und „Staufen,“ hohen Pocalen
und Doppelbechern, (die aus zwei vollkommen gleichen Compartimenten beftehen,
von denen je einer den Fufs oder Deckel bilden kann) reihte fleh würdig
an die Berner Schüfsel. Rothfchild konnte übrigens mit feiner Collection von
Silbergefäfsen die harte Concurrenz des Berner Schatzes, namentlich in Bezug auf
Objecte, die eine zarte Detaildurchführung zeigen, noch immerhin beftehen. Wir
geben in der Abbildung auf Seite 505 einen überaus zierlichen Becher aus
feiner Sammlung mit fein getriebenen Jagdfcenen in parallelen Streifen. Wie
die Wappen am obern Rande darthun, mag auch diefes Stück Schweizer Urfprungs
fein.
In Bezug auf gediegene Durchführung fleht die Goldfehmied ekunfl des
16. Jahrhunderts noch in inniger Beziehung zur Weife des fpätern Mittelalters;
neu hinzugekommen ift aber die Fülle und der Ideenreichthum der deutfehen
Renaiffance. Mit liebevoller Sorgfalt find die Reliefs mit ihren Figürchen und
die Friefe mit ihrem Laub- und Zierwerk behandelt, und ftets ift der Künftler
bemüht, durch irgend eine „neue Invention“ jedem einzelnen Stück den Reiz der
Individualität zu verleihen. Allgemeiner und handwerksmäfsiger werden die Arbeiten
der Goldfehmiede im Verlaufe des 17. und vollends im 18. Jahrhundert.
Den Mangel an künftlerifcher Erfindung müffen Abfonderlichkeiten erfetzen, die
nun immer mehr aufkommen, wie die Verwendung von allerlei Thier- und
Menfchengeftalten zu Trinkgefäfsen und Bechern und ähnliche Phantaftereien.