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DIE EXPOSITION DES AMATEURS.
Der Freund derartiger Raritäten konnte in der Ausheilung Rothfchild’s und der
Schweiz daran fein Genüge finden. —
Wir gehen nun zur Befprechung einer Kunflgattung über, deren mannigfaltige
Phafen zu fludiren, die Expofition des Amateurs befonders gutes Material bot,
nämlich des Email, und wollen verfudien, das Verftreutgewefene in allge
meinen Zügen, dem kunftgefchichtlichen Entwickelungsgange folgend, zu be
trachten.
Feuerbeltändige Körper, wie Thon oder Metall, durch Auffchmelzen mit einem
glasartigen Ueberzuge zu verfehen, war bereits das frühefte orientalifche Alter
thum im Stande; der glafirte Backftein, den wir in den afsyrifchen Bauten ange
wendet finden, ift fchon ein wirkliches Emailwerk. Wann und wo aber die An
wendung des glasartigen Ueberzuges auf eine Metallfläche -—• was man heut
zutage eigentlich Email nennt —• zuerft ftatthatte, ift derzeit noch nicht völlig
feftgeftellt. Die Egypter fcheinen diefe Technik nicht gekannt zu haben. An
anderem antikem Schmuck, römifchem und griechifchem, finden wir hie und da eine
emailartige Maffe, jedoch nur vereinzelt und feiten; ficher ift aber, dafs die halb-
barbarifchen Völker des mittleren Europas fchon in verhältnifsmäfsig fehr früher
Zeit die Bronze mit oft überaus reichen und complicirten Emailornamenten zu
verzieren gewufst haben. Möglich und wahrfcheinlich ift es, dafs fie diese Fer
tigkeit fchon aus ihrer centralafiatifchen Heimat mitbrachten, und aus Afien hat
auch die Kunft des byzantinifchen Reiches die Emailtechnik überkommen. Von
dort, von Byzanz aus, läfst fleh die Gefchichte des Emails in ihrer höchft interef-
fanten Entwicklung ununterbrochen verfolgen.
Das „email cloisonne“ oder wie man es in neuerer Zeit deutfeh zu nennen
pflegt, der Zellenfchmelz, charakterifirt fich bekanntlich wefentlich dadurch, dafs
die Farbencompartimente, aus denen das Bild mofaikartig zufammengefetzt ift,
durch aufgelöthete dünne Metall-Lammellen oder Fäden getrennt find. Zu der
artigen Werken fcheint das Gold beinahe ausfchliefslich verwendet worden zu
fein, und die Arbeiten der byzantinifchen Emailleure wanderten als koftbare und
hochgefchätzte Prachtftücke weit in das Abendland hinein, als Handelsartikel
und als Gefchenke der Fürften. Die Beftandtheile der 1860 bei Nyitra Jvanka
in Ungarn (Neutraer Comitat) aufgefundenen Krone des byzantinifchen Kaifers
Conftantinos Monomachos (1042-—'1052) hatte das Ungarifche Nationalmufeum
ausgeftellt. Es find fieben längliche, oben abgerundete Goldplatten mit den
Figuren des Kaifers, der Kaiferinnen Zoe und Theodora, Heiligengeftalten und
allegorifchen Figuren der Demuth und Tugend*). Wir müffen hier die fich an
diefe Refte knüpfenden hiftorifchen Fragen übergehen, und erwähnen nur, dafs
fich für fie beinahe mit Sicherheit die Datirung zwifchen 1042 bis 1050 ergiebt;
die Feinheit und Vollkommenheit der Ausführung ftellt fie aber unter den uns
erhaltenen byzantinifchen Emails in die erfte Reihe. Dafs die byzantinifche Email-
kunft ihren Urfprung im Orient hat und nicht aus einer Tradition der europäifch-
antiken Technik hervorgegangen ift, dafür fpricht fowohl der Charakter der
Werke, und der des Zellenfchmelzes überhaupt, der mit feinen die Farben
felder durchziehenden Metalllinien ein durchaus orientalifches Gepräge trägt, als
*) Bock, Reichskleinodien, und Charles de Linas, Notice für quelques emaux byzantins.