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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DIE EXPOSITION DES AMATEURS. 
des Intereffes im hohen Grade werth. In feiner gegenwärtigen Geflalt etwa aus 
dem 14. Jahrhundert flammend, deuten namentlich die ftreng flilifirten Löwen 
köpfe auf ein weit früheres Datum, fo dafs wir annehmen müffen, hier eine mit 
Benützung älterer Theile ftattgehabte Umarbeitung aus der erwähnten Zeit vor 
uns zu haben. 
Von ihrem Reichthum an prächtigen Möbeln aus dem 16. und 17. Jahrhun 
dert hatte die Schweiz nur verhältnifsmäfsig Unbedeutendes ausgeflellt. Das 
Befle darunter war ein Schrank von 1686, der von dem Oefterreichifchen Mufeum 
angekauft wurde. Hin und wieder konnte der Liebhaber noch ein in irgend einer 
Ecke verflecktes altes Möbelftück entdecken, zuweilen an Plätzen, wo man es am 
wenigften vermuthet hätte, fo in dem Pavillon der Frauenausftellung eine präch 
tige eingelegte Thür und dergleichen mehr. 
Im fpanifchen Pavillon begegneten wir einem tragbaren Predigtftuhl aus 
der Kathedrale von Leon, im fpätgothifchen Stile aus dem 16. Jahrhundert, wie er 
fich auf der iberifchen Halbinfel neben der Renailfance und beeinflufst von ihr 
noch lange erhalten hat. Andere Werke zeigten ein ähnliches Gepräge. Meill 
ift nur die Ornamentation der P'üllungen flachgehaltenes gothifches Mafswerk, 
während der Aufbau fchon ganz im Sinne des neuen Stiles fleh entwickelt. Die 
fpanifche Renaiffance, die noch ihres Gefchichtfchreibers harrt, weift manche 
Erfcheinungen auf, die durch ähnliche Verhältniffe hervorgerufen, anziehende 
Analogien zur Gellaltung der deutfehen Renaiffance darbieten; fchon das Wenige, 
das hier zu fehen war, liefs derartiges ahnen. 
Wie lehrreich wäre aber überhaupt eine Zufammenftellung der Möbel frühe 
rer Epochen aus den verfchiedenen Ländern, wie wichtig für die Kenntnifs diefes 
Theiles der architektonifchen Formenbildung! Der Verkehr, der Alles von Oft 
nach Weft und von Süd nach Nord fchleppt, wird es ohnedies bald unmöglich 
machen, folche Dinge noch an Ort und Stelle zu ftudiren. 
Fr. Lippmann. 
Faltftuhl von Holz mit Bronzebefchlägen und Elfenbeinfchnitzwerk, 14. Jahrh.; 
Frauenftift auf dem Nonnberge bei Salzburg.
	        
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