Das Nüchterne, Praktische, Zweckmäßige tritt klar in die Erscheinung
und ist dabei nicht ohne ästhetische Schönheit, was auf der Fähigkeit des
Meisters beruht, das Wahre harmonisch zu gestalten.
Seltsam klar und durchsichtig wirkt das Innere, vor allem der Parteienraum,
vornehmlich durch die Abwesenheit von allem Unnützen, wobei ich
unter dieses Unnütze alle Stilmotive zähle, seien sie historisch oder modern.
Die neuen Techniken, neuen Konstruktionen, neuen Baustoffe erhöhen
dieses Gefühl des Gelenkigen, Funktionellen, Organischen, fast Skelettartigen,
Entmaterialisierten, Abstrakten.
Freilich hat man auch vor der äußeren Gesamterscheinung mehr den
Eindruck von Abstraktionen als Bauplastischem, mehr vom Konstruierten
als vom Baukünstlerischen, mehr vom Ideenhaften als vom Gestaltvollen.
Die konventionellen allegorischen Figuren über dem Dachgesims können
an diesem Eindruck nichts ändern; sie sind eine dekorative Zutat, die
man lieber entbehren möchte, weil sie nicht organisch mit dem Bauwerk
zu tun haben und gerade darum Wagners Theorie widersprechen; sie
sind also nichts weniger als modern, trotzdem sie mit Aluminium umkleidet
sind, woraus erhellt, daß das Material allein noch nicht das Wesen
der Moderne oder der Kunst überhaupt enthält.
Trotz dieser nebensächlichen Mängel, die nur ganz untergeordnet in
Betracht kommen, und trotz der nicht eigentlich baumäßigen Wirkung der
Aluminiumknöpfe und Marmorplatten, die das Bauwerk umkleiden,
was ich nur nebenher erwähne und als ziemlich unwichtig bezeichne, ist
das Ganze doch ein echtes und rechtes Kind dieser utilitären Zeit und
kann als der erste große, monumentale und schönheitsmäßige Ausdruck
dieses Zeitgeistes angesehen werden. Der Kaiser fand das rechte Wort, als
er bei einem Blick in den Kassensaal sagte: „Merkwürdig, wie gut die
Menschen hineinpassen —“
Restlos drückt er die auf Nützlichkeiten und praktische Interessen gerichteten
Ideale unserer Gegenwart aus.
Es ist eine erschreckende Wahrheit daran, von keiner Lüge verdunkelt,
aber dieses Wahre ist zugleich auch das Schöne, das nur der harmonische
Geist des Künstlers geben kann.
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