pagierte Nackte-Knie-Stil mit sich bringt, eine bereits verrufene Mode,
die in der Großstadtbaukunst und besonders in Wien weder Wurzel noch
Berechtigung hat.
Hier aber hat Museumsdirektor Probst sein altes Herz entdeckt. Das
war es, was er träumte und suchte. Dieses und kein anderes!
Leider aber hatte sich auch der Stadtbaudirektor Goldemund mit die
sem Projekt identifiziert, weil es seinem Situierungsplan entsprach. Die
Urheber dieses Projektes waren junge Leute, ohne Erfahrung und ohne
baukünstlerische Zucht, Wachs in den Händen der Stadtbauleitung und
eigentlich kaum mehr als Fassadenentwerfer zu einem Komplex, der der
Hauptsache nach vom Stadtbauamt nach dem unzeitgemäßen Programm
Probst-Goldemund verwirklicht werden wird.
Schon bei der Jury ergab sich Uneinigkeit. Die reichsdeutschen Bau
künstler Behrens und Dülfer erkannten ohne weiteres die turmhohe Über
legenheit des Projektes Wagner und beschlossen, ihr Amt niederzulegen,
wenn diesem nicht der erste Preis würde. Mit Widerwillen wurde dieser
Forderung entsprochen, und zwar mit der Bedingung, daß auf Hofmann-
Tranquillini ebenfalls ein erster Preis falle, um solcherart die Prä
misse fürWagners endgültige Ablehnung und Ausführung des
Projektes Probst-Goldemund zu schaffen.
Der Lageplan Goldemunds mit allem Drum und Dran war längst be
willigt und hätte widerrufen werden müssen, da Wagners Plan eine neue,
überlegene Ordnung der Dinge mit sich brachte.
Das geschah indessen nicht, der Bürgermeister hatte damit den
Rückzug auf das Sachverständigenurteil seines Beamten offen, und da
mit war die Parole ausgegeben, daß Wagners Projekt endgültig fallen
müsse.
Für die baukünstlerische Zukunft der Stadt Wien ist es unendlich be
klagenswert, daß OttoWagner nicht das entgegenkommende Verständnis
des Stadtbaudirektors gefunden hat. Goldemund hätte sich damit einen
Ehrenplatz in der Entwicklungsgeschichte Wiens gesichert. Er hätte in
seiner begreiflichen und schönen Neigung, das Großstadtgrün zu erhal
ten, gewiß eine Einigung mit Otto Wagner erreicht, weil beide echte und
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