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MAK

Full text : Otto Wagner

Unsere  Kunstpflege,  also  die  Förderung  der  Kunst,  liegt  in  der  Hand
von  Persönlichkeiten,  oder  wird  von  solchen  beeinflußt,  welche  sich  in
nachstehende  Kategorie  einreihen  lassen:  solche,  welche  eingestandenermaßen ­
  von  Kunst  nichts  verstehen  —  es  sind  die  weniger  Gefährlichen  —;
solche,  welche  von  Kunst  etwas  zu  verstehen  glauben  oder  glauben
machen  wollen,  wobei  ihnen  das  wirkliche  künstlerische  Empfinden  fehlt,
zu  dieser  Kategorie  gehören  vor  allem  die  „Kunstheuchler“  —;  solche,
welche  Unmengen  wissenschaftlicher,  hauptsächlich  archäologischer  Bildung ­
  in  sich  aufnehmen  und  gerade  dadurch  ihr  natürliches  Kunstempfinden ­
  völlig  abtöteten,  sie  leiden  am  Kunststar  und  sehen  nur  durch  die
Brille  der  Tradition  —;  solche,  die  die  Zustimmung  der  Menge  als  Leitstern ­
  ihres  Handelns  betrachteten,  denen  also  die  Kunst  Nebensache
ist  —solche,  die  glauben,  daß  von  der  Allgemeinheit  und  von  der
Kritik  immer  ein  richtiges  künstlerisches  Urteil  zu  erwarten  sei  und  deshalb ­
  ihre  Meinung  darnach  formen  —;  endlich  von  „Künstlern“,  die
nicht  sehen  wollen  oder  nicht  sehen  können  oder  gar  solchen,  die  leider
muß  es  gesagt  werden  —  ihre  schwache  Überzeugung  von  der  Existenz
„einer  Kunst  unserer  Zeit“  aus  mancherlei  Gründen  opferten.
Die  Zahl  der  Künstler  und  Laien,  die  ihr  natürliches  Kunstempfinden
trotz  großen  Könnens  und  großer  Bildung  ungetrübt  bewahrt  haben  und
deren  Einfluß  auf  die  Kunstpflege  gerade  deshalb  recht  erfolgreich  wäre,
ist  gering  und  deren  Kampfeslust  in  der  Regel  keine  allzugroße.
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Um  kunstfördernd  zu  wirken  ist  es  nötig,  das  künstlerisch  Gute  zu
unterstützen,  das  Schlechte  und  Mittelmäßige  zu  bekämpfen.  Was  ist
in  der  Kunst  gut,  was  schlecht,  was  minderwertig  ?
Es  ist  zweifellos,  daß  die  endgültige  Beurteilung  eines  Kunstwerkes  der
Menschheit  zukommt,  daß  also  das  Endurteil  in  der  Kunst  die  Menschheit ­
  hat.
Wenn  man  statt  Menschheit  dasWort  Allgemeinheit  setzt,  so  ist  dieser
Ausspruch  nur  mit  der  besonderen  Beschränkung  haltbar,  daß  dieses  end-133

            
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