Unsere Kunstpflege, also die Förderung der Kunst, liegt in der Hand
von Persönlichkeiten, oder wird von solchen beeinflußt, welche sich in
nachstehende Kategorie einreihen lassen: solche, welche eingestandenermaßen
von Kunst nichts verstehen — es sind die weniger Gefährlichen —;
solche, welche von Kunst etwas zu verstehen glauben oder glauben
machen wollen, wobei ihnen das wirkliche künstlerische Empfinden fehlt,
zu dieser Kategorie gehören vor allem die „Kunstheuchler“ —; solche,
welche Unmengen wissenschaftlicher, hauptsächlich archäologischer Bildung
in sich aufnehmen und gerade dadurch ihr natürliches Kunstempfinden
völlig abtöteten, sie leiden am Kunststar und sehen nur durch die
Brille der Tradition —; solche, die die Zustimmung der Menge als Leitstern
ihres Handelns betrachteten, denen also die Kunst Nebensache
ist —solche, die glauben, daß von der Allgemeinheit und von der
Kritik immer ein richtiges künstlerisches Urteil zu erwarten sei und deshalb
ihre Meinung darnach formen —; endlich von „Künstlern“, die
nicht sehen wollen oder nicht sehen können oder gar solchen, die leider
muß es gesagt werden — ihre schwache Überzeugung von der Existenz
„einer Kunst unserer Zeit“ aus mancherlei Gründen opferten.
Die Zahl der Künstler und Laien, die ihr natürliches Kunstempfinden
trotz großen Könnens und großer Bildung ungetrübt bewahrt haben und
deren Einfluß auf die Kunstpflege gerade deshalb recht erfolgreich wäre,
ist gering und deren Kampfeslust in der Regel keine allzugroße.
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Um kunstfördernd zu wirken ist es nötig, das künstlerisch Gute zu
unterstützen, das Schlechte und Mittelmäßige zu bekämpfen. Was ist
in der Kunst gut, was schlecht, was minderwertig ?
Es ist zweifellos, daß die endgültige Beurteilung eines Kunstwerkes der
Menschheit zukommt, daß also das Endurteil in der Kunst die Menschheit
hat.
Wenn man statt Menschheit dasWort Allgemeinheit setzt, so ist dieser
Ausspruch nur mit der besonderen Beschränkung haltbar, daß dieses end-133