MAK
Nun muß ich allerdings sagen, daß alle, auch die besten Programme 
toter Buchstabe sind, wenn nicht der lebendige Geist der schöpferischen 
Persönlichkeit dahinter steht. Darum hat Wagners Programm den vollen 
Wert nur inWagners Hand und wird jenen nur wenig helfen, die nicht 
auch seinen Geist dazugeben können. Sein Glaubensbekenntnis war sein 
Programm. 
Auf die Frage nach seiner Lehrweise gibt die Antrittsrede Antwort, 
die er zu Beginn seines akademischen Lehramtes 1894 vor den ver 
sammelten Akademikern gehalten hat. Diese Antrittsrede enthält sein 
Glaubensbekenntnis und sein Programm, das er während der zwei De 
zennien seines akademischen Wirkens getreulich eingehalten und das so 
rühmliche, vielbestaunte Erfolge gezeitigt hat. 
In dieser denkwürdigen Rede führt er aus: 
„Sie werden vielleicht vom Hörensagen oder aus eigener Anschauung 
erfahren haben, daß ich der Vertreter einer gewissen praktischen Rich 
tung bin. 
Für den ersten Augenblick mag Ihnen diese meine Erklärung recht 
nüchtern verkommen oder in Ihnen den Gedanken wachrufen, daß damit 
eine Art Verfall der Schule oder die Dämpfung Ihrer jugendfrischen Ideale 
zusammenhängt. 
Dem ist aber nicht so. 
Wenn- Sie meinem Gedankengange folgen wollen, so glaube ich, Ihnen 
mit wenigWorten das Gegenteil beweisen zu können. 
Beinahe alle modernen Bauwerke gipfeln darin, in ihrer Außen 
erscheinung auf mehr oder weniger glücklicher Disposition möglichst ge 
naue Kopien von Stilrichtungen zu zeigen. Solch gute Stilkopien, denen 
in der Regel vieles zum Opfer gebracht wird, werden dann als Stilreinheit 
bezeichnet und geben gewöhnlich den Wertmesser ab, nach welchem ein 
Bauwerk beurteilt wird. 
Gewisse Baustile werden für spezielle Zwecke geradezu usurpiert und das 
Publikum, leider auch viele Künstler, ist der Ansicht, daß dies — so sein muß. 
Unter anderem Usuellen hat sich die Sache so weit zugespitzt, daß die 
Baustile geradezu wie die Moden wechseln und Kunsterzeugnisse ab- 
137
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.