MAK
Den Schülern des 3. Jahrganges empfehle ich die Lösung einer Aufgabe, 
welche im Leben wohl nie an Sie herantreten wird, deren Durchbildung 
aber dazu beitragen wird, den göttlichen Funken der Phantasie, der in 
Ihnen glimmen soll, zur leuchtenden Flamme anzufachen. In Paris an der 
Ecole desBeaux arts werden alljährlich solche exotischen Aufgaben ver 
sucht und mit den heranreifenden Kunstjüngern eine Art Phantasie- 
Training vorgenommen. 
Ich selbst kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß ich mich damit 
wiederholt befaßt habe und daß das Resultat stets ein sehr nutzbringen 
des war. Ich möchte noch beifügen, daß ich es für zweckmäßig halte, mich 
mit den einzelnen Herren, welche sich an solche Aufgaben heranwagen 
wollen, zu besprechen und ich es ihrerWahl überlassen möchte, jenes 
Phantasiebild zu wählen, das ihrer natürlichen Anlage am besten ent 
spricht; auch halte ich es für zweckmäßig, durch flüchtige Skizzen zu 
einem Wahlresultate zu gelangen, da schon die Programmfeststellung eine 
Arbeit ihrer Phantasie sein soll.“ 
Die Saat ist herrlich aufgegangen, die Wagner-Schule hat alle anderen 
Schulen dieser Art verdunkelt, sie allein hätte genügt, den Namen des 
Meisters in aller Zukunft unvergeßlich zu machen. Wer als Wagner schüler 
ins Leben trat, hatte den Vorzug und fand mühelos Beruf und Aufträge; 
alle durften von ihrem Meister dankbar sagen: Er hat uns gegeben, was 
man braucht, um im Leben bestehen zu können. 
Die Schule kann das Talent pflegen, die individuelle Begabung ent 
falten, was Otto Wagner so ausgezeichnet verstand; aber den genialen 
Funken gibt die Natur, den muß der Schüler selbst mitbringen. Damit 
ist es ungleich bestellt, und darum sind die Entwicklungsgrenzen bei den 
Schülern ungleich gezogen. OttoWagner, der sich sein Material auszu 
wählen wußte, hatte in der Tat das Glück, einige Jahrgänge besonders 
starker Talente zusammenzukriegen, unter denen viele einen glänzenden 
Aufstieg nahmen. 
141
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.