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am Tage der Geburt geschenkt wird. Und wenn man, wie Du, sechzig 
Jahre voll diese Feste genießt, wer könnte wohl mehr beneidet werden 
als Du selbst. Und dazu soll ich Dich nun beglückwünschen! Ich glaube, 
Du müßtest einfach lachen darüber, wollt ich auch mit den schönsten 
Reimen der „Klassischen“ kommen. 
Wenn Dein Leben und Deine Arbeit Dich an diesem Tage aber nicht 
voll und reich allein beglücken, so wüßte ich wirklich nicht, wie es 
möglich wäre, Dir Freude an diesem Tage zu bereiten. 
Drum, mein verehrtester Meister, hab ich mich nicht gemeldet, weil 
ich über Dein großes Glück allein mit Dir sprechen wollte. 
Was ich von Dir am meisten gelernt, ich möchte sagen, aufgesogen 
habe, das ist die unheimliche Kraft, die Dir durch die Arbeit gegeben 
wird und Dich zu dem ewig jugendfrischen Menschen macht, an den 
sie alle nicht herankommen. Und dieses Erbvermächtnis, das ich als den 
eigentlichen Lohn betrachte für die Zeit in der ich Dir begeistert half 
und diente, macht mich, glaube mir vom Herzen, zum glücklichsten 
Menschen. Das Reich ist weit, weiter aber die Summe der Arbeit, und 
ich möchte so stolz sein, einmal sagen zu können, diese unversiegbare 
Quelle von Kraft habe ich nur von Dir zu Eigen bekommen. Dann ist 
mein Leben weiter eine Reihe fröhlicher Feste. 
Und das soll mein heißester Glückwunsch sein, Dein Geist soll sich 
in mir weiter vererben, in dem Kampfe gegen paragraphoses Philister 
tum, und der Sieg fällt auf Dich zurück, echter Lorbeer zu dem golde 
nen Lorbeer, der längst Dein Eigen ist. 
Und nun möchte ich Dir so gerne Deine Hand drücken zumVer- 
mächtnis, wie gerne ich mich Deiner erinnere, und wie gerade die Er 
innerung an Dich mich stark und froh sein läßt in den vielen Stunden, 
die dieser Eigenschaften so sehr benötigen. 
Und so bin ich Dein getreuester 
Joseph M. Olbrich. 
Otto Wagner hat den Genius Olbrichs wohl zu schätzen gewußt, und 
als 1904 die Lehrkanzel des „Gothikers“ Luntz erledigt war, hat er sich 
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