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MAK

Full text : Otto Wagner

zu  gewinnen  suchte,  nämlich  die  vollkommen  praktische  Zweckbestimmung ­
  seiner  Bauwerke  und  die  proportionale  Harmonie,  die  dem  Zweck,
dem  Material  und  der  Konstruktion  erst  den  künstlerischen  Adel  zu  geben
vermag.
Auch  diese  Idealität,  die  für  den  Künstler  bei  allem  Realismus  unerläßlich
ist,  besitzt  Otto  Wagner  und  zwar  im  höchsten  Maße,  weshalb  der  Streit,  ob
die  Konstruktion  der  Ausgangspunkt  des  architektonischen  Kunstwerkes
sei,  oder  die  vorgefaßte  Formidee,  oder  das  moderne  Leben  nur  ein  müßiges
Spiel  mit  Worten  ist,  denn  in  der  Tat  ist  der  Ausgangspunkt  des
Kunstwerkes  der  Künstler  selber,  der  diese  drei  Forderungen
in  sich  auf  die  glücklichsteWeise  vereinigt  haben  muß.
Eine  solche  dreieinige  Künstler-Persönlichkeit  ereignet  sich  selten  öfter
als  alle  hundert  Jahre  einmal.
Es  kommt,  wie  überall,  in  der  Kunst  nicht  auf  das  Rezept  und
nicht  auf  das  Programm  an;  nicht  wie  es  gemacht  ist,  entscheidet— ­
  sondern  einzig  und  allein  entscheidet,  wer  es  gemacht  hat!
Nicht  die  vielen  schlechten  Nachtreter  Wagners  sind  die  Meister,  sondern
der  Meister  ist  einzig  und  allein  Otto  Wagner  und  wer  neben  ihm  und  nach
ihm  selbst  wieder  ein  Meister  werden  will,  muß  es  auf  seine  eigene  Weise
werden  können,  wie  es  einige  seiner  hoffnungsvollsten  Jünger  wurden,
Olbrich  zum  Beispiel.
Aber  es  gibt  zu  viele  geschickte  Macher,  Plagiatoren,  Nachahmer,  die  in
der  Kunst  ausgezeichnet  fälschen,  in  der  Musik,  in  der  Literatur,  im
Kunstgewerbe,  in  der  Malerei,  in  der  Plastik,  in  der  Architektur,  so  daß
die  Menge  sich  täuschen  läßt  und  meistens  den  leeren  Routinier  und
Nachahmer  mit  Preisen  und  Anerkennungen  überhäuft,  dieselbe  Menge,
die  das  Genie  als  den  wahren  Urheber  am  liebsten  steinigt.  Aber  jede  noch
so  geschickte  Fälschung  erfährt  schließlich  ihre  Entlarvung,  in  der  Kunst
oft  immer  viel  zu  spät,  weil  ja  hier  leider  Gottes  der  seichte  und  gefällige
Anwender  im  Publikum  immer  den  stärkeren  Anwalt  hat.
Das  kann  aber  nicht  hindern,  daß  immer  wieder  die  Erkenntnis  siegt,
um  die  es  sich  hier  handelt:  die  Echtheit  und  Ursprünglichkeit
eines  Kunstwerkes  ist  immer  nur  durch  die  Persönlichkeit  ge-28


            
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