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MAK

Full text : Otto Wagner

einer  neuzeitlichen  weltstädtischenBaukunst.  Sieumfaßtaußerdem
Postsparkassenbau  dieKirche  am  Steinhof  und  den  dreizehn]  ährigenKampf
um  den  Karlsplatz,  nebst  anderen  Bauten  und  großzügigen  Projekten.
Seine  vierte  Epoche,  die  nicht  weniger  schaffensfrohe  Spät  zeit,  beginnt ­
  nach  dem  70.  Lebensjahr,  jener  Altersgrenze,  die  dem  Lehramt  an
der  Akademie  gezogen  ist,  die  aber  um  weitere  vier  Ehrenjahre  hinausgeschoben ­
  worden  ist,  ein  bisher  noch  nicht  dagewesener  Fall.
★  ★  *
Seine  Frühzeit  unter  der  Herrschaft  der  Stile  hat  aber  eine  ganz
persönliche,  eigenartige  Färbung.  Er  huldigt  einer  freien  Renaissance,
und  einem  ebenso  freien  Barock,  womit  er  schon  besagt,  daß  er  sich  dem  Stilzwang ­
  nicht  fügt,  wie  es  die  Großen  von  damals  neben  ihm  getan  haben,  Hansen ­
  vor  allem,  sondern  daß  er  seine  eigenen  Wege  zu  gehen  entschlossen  ist.
In  seinen  Häusern  in  der  Stadiongasse  steckt  trotz  der  italienischen
Palazzoallüren  der  Klassizist  darin,  vor  allem  aber  der  moderne  Mensch,  der
seiner  Zeit  voran  ist,  soweit  er  bei  dem  Zeitgeist  von  damals  denkbar  war.
Auch  das  kleine  Palais  am  Rennweg,  das  er  für  sich  gebaut  hatte,  und
das  nach  seiner  Berufung  an  die  Akademie  in  den  Besitz  der  Gräfin
Hoyos,  der  Witwe  des  Malers  Amerling,  überging,  ist  keine  Stilarchitektur,
sondern  viel  eher  eine  moderne  Variation  auf  ein  barockes  Thema.
Und  dieses  Neuartige  steckt  auch  in  der  prachtvollen  Villa  im  Wiener
Wald,  die  er  sich  damals  im  Haltertal  bei  Hütteldorf  gebaut  hatte  und
Sommer  und  Winter  bewohnte,  eine  Art  italienischer  Architektur  mit
Säulen,  offenen  Loggien  in  zwei  langgestreckten  Flügeln,  die  er  aber  bald
verglasen  mußte,  weil  er  sich  leider  nicht  das  zur  Architektur  gehörige
italienische  Klima  nach  Hütteldorf  verschreiben  lassen  konnte.  Zum  Trost
aber  hatte  er  in  den  Glasmalereien  des  Malers  Adolf  Böhm  eine  Kunst  gefunden, ­
  die  ihm  die  Natur  seinem  Gefühl  nach  mehr  als  reichlich  ersetzte.
Keinesfalls  aber  darf  übersehen  werden,  daß  in  dem  Bau  der  Länderbank, ­
  der  in  diese  Epoche  fällt,  schon  die  künftige  Idee  der  Postsparkassa
steckt.  Es  ist  der  erste  moderne  Kassensaal,  der  gebaut  wurde.  Die  neue
Zeit  steckte  schon  in  der  alten.

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