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Full text: Albrecht Dürer und die Druckgraphik für Kaiser Maximilian I.

VORWORT 
Am 4. November 1871 wurde anläßlich der durch Kaiser Franz Josef vorgenommenen 
Schlußsteinlegung und Eröffnung des Museumsgebäudes am Stubenring dem Kaiser 
der erste Band des Ornamentstichkataloges der Bibliothek als bedeutende wissen 
schaftliche Leistung des Museums überreicht. Durch diese Handlung wurde die 
Bibliothek innerhalb dieses damals noch nicht zehn Jahre alten Museums in ein 
besonderes Licht gerückt. Denn die Bibliothek umfaßte bereits zu diesem Zeitpunkt 
nicht nur einen Lesesaal zum Studium zeitgenössischer Kunstliteratur, sondern auch 
bedeutende Bestände graphischer Blätter der Renaissance und des Barocks und vor 
allem einen großen Bestand alter Druckwerke. 
Wenn auch dem Geist des späten 19. Jahrhunderts entsprechend diese Kunstblätter 
sammlung als Vorbildsammlung zur Anregung des historistischen Kunsthandwerkers 
dieser Zeit zu dienen hatte, so stand bei dem Aufbau der Sammlung von Holzschnitten, 
Kupferstichen und Zeichnungen sowie alter Druckwerke doch das wissenschaftliche 
Interesse im Vordergrund. Die Bibliothek hatte somit vom Anfang an der Forschung 
zu dienen, die Sammeltätigkeit dieser Abteilung wurde der Gründung entsprechend 
systematisch durchgeführt, da es sich nicht darum handelte, in erster Linie ästhetisch 
bedeutende Werke in möglichst großer Zahl anzuhäufen, sondern jene zu suchen, 
die dem wissenschaftlichen und künstlerischen Programm des Museums ent 
sprachen. 
In den seit diesem Zeitpunkt abgelaufenen 100 Jahren ist es gelungen, den Bestand 
bis auf eine Viertelmillion Blätter zu vergrößern. Das historistische Interesse sowie 
der Vorbildcharakter der Sammlung ist inzwischen dem alleinigen wissenschaftlichen 
Interesse der Forschung gewichen, in deren Zeichen auch unsere heutige Tätigkeit 
steht. 
Dem erwähnten ersten Band des Kataloges der Ornamentstichsammlung sind um die 
Jahrhundertwende noch zwei weitere gefolgt. 
Seither aber hat die Wissenschaft bedeutende Fortschritte gemacht, so daß es unser 
erstrebenswertestes Ziel ist, an die Neuherausgabe der ganzen Sammlung heran- 
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