MAK

Full text: Albrecht Dürer und die Druckgraphik für Kaiser Maximilian I.

sind dies die einzigen verzeichneten Hefte, die außerhalb von Wien abgesetzt werden 
konnten. Schon in der Kuratoriumssitzung vom 10. Mai 1871 22 ) fürchtet man, daß 
die Herstellungskosten der Festpublikation von immerhin 1.075 Gulden 23 ) durch 
den Absatz entgegen der früher ausgesprochenen Hoffnung nicht gedeckt werden 
können. 
Trotz dieser Enttäuschung in finanzieller Hinsicht und trotz der zögernden Abnahme 
bereitschaft von seiten des Publikums war eines aber im Sinne der Herausgeber 
gelungen: der Technik des Holzschnittes die Basis zu einem neuen Aufschwung 
zu geben. In Buchers Bericht über die bei der Ausstellung Österreichisches Kunst 
gewerbe 24 ), der Eröffnungsausstellung des neuen Hauses am Stubenring, vertretenen 
Arbeiten auf dem Gebiet der Druckgraphik heißt es unter anderem: „Noch hat 
die Mode auch auf diesem Gebiet (nämlich dem der Druckgraphik) zuviel zu sagen. 
Die unschönsten Verzerrungen, die geschmacklosesten Verschnörkelungen werden 
akzeptiert, wenn sie nur neu oder wieder neu sind . . .“ 25 ). ,,. . . einen höchst erfreu 
lichen Aufschwung hat indes in den letzten Jahren der Holzschnitt genommen . . 
wobei „die für das Österr. Museum in F. W. Baders noch junger Anstalt für Holz 
schneidekunst ausgeführten Nachbildungen Dürer’scher Trachtenbilder wohl als 
bahnbrechend für den Farbenholzschnitt angesehen werden dürfen 26 ).“ 
Liest man nun die Einleitung Moritz von Thausings zu der Festpublikation, so 
drängt sich der Gedanke auf, daß es den Herausgebern des Heftes viel weniger 
um die Feier und Würdigung des großen Meisters ging als um die Ausnützung 
der Möglichkeit, aus gebotenem Anlaß in einen Zweig der Entwicklung der Kunst 
industrie einzugreifen. Daß also ein populärer Anlaß verwendet wurde, um eigenen 
Intentionen den Weg in die breite Öffentlichkeit zu verschaffen. Um die ganze 
Schärfe der Situation erkennen zu lassen, sei darum jene Einleitung wiedergegeben 27 ): 
„Die Publikation verfolgt nicht bloß den ideellen Zweck, dem Andenken Dürers 
eine Huldigung darzubringen, wie den praktischen, für Kunst und Industrie einige 
brauchbare Muster zu schaffen; es galt vor allem auch durch die Art der Reproduktion 
selbst den popularisierenden Kunstbestrebungen des k. k. Österr. Museums Vorschub 
zu leisten. Bei der heutigen Vervollkommnung der Holzschneidekunst erschien das 
Prinzip der alten Helldunkel- oder Clairobscur-Technik, der Druck mit zwei oder 
mehreren Holzstöcken in verschiedenen Farben einer viel weiteren künstlerischen 
Entwicklung fähig, als sie durch die marktgängigen bunten Heiligenbilder bisher 
erreicht wurde. Gelungene Versuche ließen über die mannigfache Stufenleiter der 
hier zu erzielenden Wirkungen keinen Zweifel. Die Feinheit und Präzision der 
Ausführung, die Gefügigkeit und Unverwüstlichkeit des Stirnholzes, das trockene 
13
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.