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Full text: Albrecht Dürer und die Druckgraphik für Kaiser Maximilian I.

20 DIE UNTERWEISUNG DER MESSUNG 
Abb. 6 
Albrecht Dürer, Vnderweysung der messung, mit dem zirckel vnd richtscheyt, in 
Linien ebnen vnnd ganntzen corporen . . . Nürnberg (3. Ausgabe), Hieronimus 
Formschneyder, 1538, in — 2° 
Inv.-Nr.: B. I.: 57 (GII 41) 
1523 entschließt sich Dürer, die Veröffentlichung der Proportionslehre zurück 
zustellen, da er für deren Verständnis die Kenntnis der darstellenden Geometrie 
für notwendig hält. Dürer hatte in relativ kurzer Zeit ein Lehrbuch der darstellenden 
Geometrie zusammengestellt. Die erste Ausgabe erschien bereits 1525. 
Das Buch will nicht ein mathematisches Werk sein, sondern eine Anleitung zur 
Ermittlung und Konstruktion geometrischer Figuren für den praktischen Gebrauch 
des Malers und Handwerkers. 
Im 1. Buch werden die Grundbegriffe von Punkt, Linie, Fläche und Körper nach 
Euklid behandelt, anschließend die krummen Linien, Schnecke, Spirale, Raum 
kurven, Kegelschnitte und entsprechende Anwendungen. Das 2. Buch ist den Flächen 
gewidmet, dem Winkel, den regulären Polygonen, deren Zusammensetzung, Kon 
struktion und Umwandlung. Im 3. Buch läßt Dürer die Körper folgen, behandelt 
werden zunächst Kegel und Pyramide, die Anwendung der Säule im gotischen 
System und in dem der Renaissance sowie die Sonnenuhr und die Entwicklung 
der Buchstaben in Antiqua und Fraktur. Das 4. Buch bringt die platonischen und 
archimedischen Körper sowie die Perspektive. Mit Darstellungen des Zeichners 
während der Arbeit beschließt er das Werk. Die Unterweisung der Messung ist 
das erste, groß angelegte Lehrbuch der exakten Grundlegung der Kunst in deutscher 
Sprache und zugleich einer der schönsten Drucke der deutschen Renaissance. 
Lit.: Graesse,Bd. 2, S. 452—E. Panofsky, Dürers Kunsttheorie,Berlin 1915—Panofsky 1, 
S. 245—260, 270—273 — M. Steck, Dürers Gestaltlehre der Mathematik und der 
bildenden Künste, Halle 1948 — Hollstein VII, S. 258 — Rupprich 3, S. 309—317 — 
Kat. Albrecht Dürer, Nürnberg 1971, Nr. 640 
21 DIE BEFESTIGUNGSLEHRE Abb. 7 
Albrecht Dürer, Ettliche vnderricht zu befestigung der Stett, Schloß, vnd flecken, 
Nürnberg (Hieronimus Andreae), Oktober 1527, in — 2° 
Titelholzschnitt mit Wappen Ferdinands I., Holzschnitte im Text, z. T. auf 10 ein 
geschlagenen Doppelblättern 
Inv.-Nr.: B. I.: 5782 (GII10) 
Die erhaltenen Skizzen und Textentwürfe zur Befestigungslehre sind nach H. Rupprich 
erst ab 1525 entstanden, nach dem Abschluß der „Unterweisung der Messung“. 
Seit wann Dürer sich mit Fragen der Befestigungslehre befaßte und wann er die Idee 
der „Planstadt“ aufgegriffen hat, bleibt ungewiß. In den ersten drei Büchern wird 
die Bastei behandelt, wobei jeweils eine Variante des Grundgedankens vorgetragen 
wird. Im vierten Buch wird das von Dürer so genannte „Schloß“ behandelt, eine 
weiträumig abgesteckte Vierecksfestung, der eine in die Wall-Umfassung einbegriffene 
Stadt zugeordnet ist. Das fünfte Buch entwirft eine „Klause“, ein Sperrfort in der 
Paßenge zwischen Berg und Meer: ein Zirkel konzentrischer Kreise um einen Hof 
in der Mitte mit höchst differenzierter Grund- und Aufrißdisposition. Im letzten 
Buch werden die möglichen Verbesserungen bestehender älterer, mittelalterlicher 
Stadtbefestigungen besprochen. 
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