scheiden kann. Praktisch geht das so, wie ein einfacher Fall zeigen soll, vor sich:
Möchte man von einer kostbaren, vielleicht nur in einem Exemplar vorhandenen
Münze eine genaue Kopie, so stellt man zuerst von jeder Seite der Münze einen
Abdruck in einem plastischen Material, etwa in Wachs, her, eine Negativform
(Matrize), bei der jede Erhabenheit des Reliefs der Münze als Vertiefung und
jede Vertiefung als Erhabenheit erscheint. Die Reliefseite der beiden Formhälften
wird daraufhin durch Bepinselung mit Graphitstaub elektrisch leitend gemacht.
Hängt man nun diese Matrizen in ein galvanisches Bad mit einem gelösten Goldsalz,
dann schlägt sich auf ihnen ein Goldhäutchen nieder, das man, sobald es die not
wendige Dicke erreicht hat, leicht von den Wachsunterlagen der Matrize ablösen
kann. Lötet man die beiden Hälften aneinander, erhält man die absolute Replik
der Münze. Zur Versteifung der relativ dünnen Goldbleche füllt man den Hohlraum
zwischen ihnen mit einem billigen Material, etwa Blei, Zinn oder Ähnlichem, aus.
Im allgemeinen wird man aber gar nicht das kostbare Gold nehmen, sondern ein billi
geres Metall, vor allem Kupfer oder Silber. Diese Kupferreplik wird in einem zweiten
galvanischen Bad im Galvanostegieverfahren mit einem dünnen Goldüberzug ver
sehen. Da man die einmal geschaffene Form (Matrize) immer wieder verwenden kann,
hat man die Möglichkeit, so viele Repliken herzustellen, als man für nötig findet.
In der Praxis sind die Fälle freilich nicht immer so einfach gelagert. Von einer
gotischen Monstranz oder einem Prunkpokal der Renaissance mit ihren vielen, oft
vollplastisch gearbeiteten Einzelheiten kann man natürlich nicht eine einzige Doppel
form hersteilen. Man muß solche Werke, die ja auch im Original nicht in einem Stück
gearbeitet sind, vorsichtig in ihre Teile zerlegen und von jedem Teil oft nicht nur
eine Form, sondern viele Teilformen herstellen, nicht anders, als es ja auch bei Gips
abgüssen oder beim Porzellanguß der Fall ist. Die einzelnen Kupferrepliken müssen
dann von einem sehr geschickten Fachmann zusammengelötet, geschraubt, genietet
oder ineinandergesteckt werden. Überlegt man, daß oft noch Edelsteinimitationen,
Emails und ähnliche Verzierungen angebracht werden müssen, so muß man ver
stehen, daß eine gute galvanoplastische Nachbildung schon zur Zeit ihrer Entstehung
kein billiger Massenartikel war und daß eine umfangreiche Sammlung solcher
Objekte ein wertvoller Bestand eines Museums ist.
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