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Full text: Germanen und Awaren in Romantik, Historismus und Jugendstil

lehnte Eingabe an das Präsidium der Akademie, mit der Forderung, eine Ge 
schichtshalle auf dem Platz zwischen Hofburg und Burgtor zu errichten. „Die 
schmachvolle Unkenntnis der Vaterlands Geschichte.. . ist die Folge einer Ver 
wahrlosung“ aus der nur das Ansehen und Erleben historischer Zyklen heraus 
führen könnte. Darum meinte Kupelwieser, daß die lehrreichen Bilder der Ge 
schichtshalle mit der Babenberger Epoche beginnen und schrittweise die Ent 
wicklung der Monarchie zeigen sollten. 
Im wesentlichen nimmt er damit das etwas später für die Ruhmeshalle des Arse 
nals gestellte Dekorationsprogramm vorweg. 1853 wurde Carl Rahl beauftragt, 
Entwürfe für eine Freskoausstattung dieser Ruhmeshalle herzustellen. Rahl, der 
sich gegen das Nazarenertum und gegen den romantischen Realismus gestellt 
hatte, wurde zum Initiator einer Bewegung, die die neue Größe monumentaler 
Kunst anstrebte. Der Forderung nach „historischer Treue“ aber wurde er nicht 
gerecht; darum ging der Auftrag für die Ruhmeshalle an Carl Blaas über, der 
Freude an schildernden Details hatte und der das Momenthafte des historischen 
Augenblickes natürlich und episodenhaft darzustellen verstand. 
Eine neue Begeisterungswelle für die Nibelungen setzte in den siebziger Jahren 
des Jahrhunderts ein, als Richard Wagner seine Auffassung germanischen Sagen 
gutes an die Öffentlichkeit brachte. Durch die Form des Gesamtkunstwerkes, der 
ausgewogenen Einheit von Text, Bild und Musik gelang es ihm, breiteste Schich 
ten für das Germanentum zu begeistern. Durch die gleichzeitige Wirkung von 
optischem Eindruck, Wort und Ton war jedem die Möglichkeit gegeben, sich 
mühelos mit den germanischen Helden zu identifizieren. 
Hans Makart schuf in Wien schon früh „Bühnenillustrationen“ nach Wagners 
Werk. Er verehrte Richard Wagner und erkannte dessen Streben nach dem Ge 
samtkunstwerk voll an. Seine Nibelungenfolge war eine Huldigung an den Bay- 
reuther Meister. Die Begeisterung für die germanischen Helden dauerte aber bis 
über das Jahrhundert hinaus und prägt noch C. O. Czeschkas Entwürfe für Tristan 
und Wotan von 1908 wie auch seine im selben Jahr erschienenen Illustrationen 
für die Neuausgabe des Nibelungenbuches. Czeschkas Germanen sind ebenso wie 
Joseph Engelhardts Recken aus dem Merlin-Saga-Zyklus flächenhaft und orna 
mental gestaltet. Die geometrische Musterung und Umsetzung vermag jedoch die 
romantische Einstellung nicht zu brechen; vielmehr wird jene zu einem neuen, 
die Richtung beendenden Höhepunkt geführt. Das Jahrhundert der Nibelungen, 
den Bogen von der romantisch-realistischen Illustration bis hin zur symbolhaften 
Umsetzung spannend, war für die bildende Kunst abgelaufen. 
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