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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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denn dort, wo früher nur blinde Vemuthung dem Arzte Schlüsse zu 
ziehen erlaubte, konnte jetzt an der Hand sicherer Forschung mit 
einem einfachen kleinen Spiegel mit aller Bestimmtheit die Ursache 
der Aenderung der Stimme des Sängers, die Ursache der peinlichen 
Athem-Not des Kranken etc. erkannt werden! 
Czermak gebührt auch das weitere Verdienst, durch seine 
Demonstrationen, die er an verschiedenen Orten des In- und Aus 
landes hielt, der neuen Erfindung eine ungemein rasche Verbreitung 
verschafft, und in schlagender Weise sofort alle Einwände widerlegt 
zu haben, die man gegen selbe erhoben hatte. Dadurch entstanden 
an vielen Orten Pflegestätten für die neue Wissenschaft, wo sie mit 
Eifer getrieben wurde; mit Stolz und Beruhigung können wir jedoch 
sagen, dass, was auch immer für wertvolle Entdeckungen im Auslande 
gemacht wurden, doch unser Vaterland in der Pflege der neuen Lehre 
stets obenan stand. 
Vorerst galt es, wie natürlich, möglichst die Beleuchtungs- 
Methoden auszubilden, und es waren nebst Türck und Czermak 
hauptsächlich Semeleder und Störk, die hierin Wesentliches schufen, 
und zwar in Erfindungen, die sich im Gegensätze zu denen Anderer 
ebenso durch ihre Einfachheit als Zweckmässigkeit auszeichneten. 
Im Jahre 1859 kam Wertheim auf die glückliche Idee, sichver- 
grösserte Bilder mittelst seines Concav-Spiegels zu verschaffen. Einige 
Zeit darauf gab aber Türck eine Vorrichtung an — Perspectiv-Lupe 
— die, wenn auch bedeutend complicirter und mühsamer in ihrer 
Handhabung, doch geradezu Ausgezeichnetes leistete, und an welcher 
später Schrötter noch einige nicht unwesentliche Mödificationen 
anbrachte. 
Die Bemühungen, Medicamente unmittelbar an die erkrankte 
Stelle zu bringen, hatten die Entstehung einer Reihe höchst sinn 
reicher Instrumente zur Folge, mittelst deren unter Leitung des Spie 
gels theils pulverförmige Substanzen, theils Flüssigkeiten, theils 
endlich feste Aetzmittel in den Kehlkopf gebracht werden konnten. 
Hierin sind ausser den Leistungen der Genannten auch jene von 
Professor Gilewski (geboren zu Czernowitz 1832, gestorben zu 
Krakau 1871), und Schrötter erwähnenswert.
	        
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