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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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Guitarre d’amour genannt), welche nach Art des Violoncells gespielt 
wurde, aber bald verschollen ist. Ein echt österreichisches Instrument 
(aus Steiermark oder Tirol stammend) ist die Zither, welche auf der 
Pariser Ausstellung als eine Merkwürdigkeit angestaunt und allge 
mein als reizend befunden wurde. Der Mann, welcher die ursprüng 
lich ungemein dürftige, primitive Berg-Zither vervollkommnet, für 
musikalisch gebildete Kreise möglich und bald allgemein beliebt 
gemacht hat, ist Anton Kiendel*). Vortrefflicher Zither-Virtuos 
mid Fabrikant, verwendete er für dieses Instrument das Quinten- 
System, welches bei gleichzeitiger Vermehrung der Saitenzahl, das 
Spiel wesentlich erleichtert und zuerst alle Tonarten zu verwenden 
gestattete. Die neue Form der „Elegie-Zither“ oder „Lieder-Zither“ 
ist Kiendel’s Verdienst, desgleichen die Verbesserung der Streich- 
Zither. Aus bescheidensten Anfängen entwickelte sich Kiendel’s 
Fabrik so bedeutend, dass sie gegenwärtig an 800 Zithern erzeugt, 
die zum Theil in die fernsten Länder, bis nach Amerika gehen. 
Die Fabrication grosser Orgeln spielt keine hervorragende Bolle 
in Oesterreich. Doch besitzen einige der grossen Stifte in Oesterreich 
wertvolle Orgeln: Admont die berühmte, leider im Jahre 1865 
abgebrannte Orgel von Chrismann; Molk die schöne Orgel von Sonn 
holz; Heiligenkreuz eine der grössten Orgeln des Landes mit 64 
Begistern, gebaut im Jahre 1802 vom Wiener Hof-Orgelbauer Ignaz 
Kober; endlich Kremsmünster die im Jahre 1858 eingeweihte Orgel 
von Ludwig Moser in Salzburg. Noch grossartiger als diese genann 
ten ist die vom Abbate Chrismann 1771 erbaute Orgel im Chorherrn- 
Stiffc St. Florian bei Linz, mit 74 klingenden Begistern, 5230 Pfeifen, 
davon 4542 von Zinn; im Pedal 680 Pfeifen, davon zwanzig im 
32 Fusston. Franz X. Chrismann liegt zu Bottenmann in Ober-Steier- 
mark begraben. Die Orgel im St. Stephansdom in Wien Hess Georg 
Neuhauser (f 1724) Kirchendiener bei St. Stephan, nachmals bürger 
licher Branntwein-Brenner aus eigenen Mitteln bauen. Die gewöhnliche 
beim Gottesdienst in St. Stephan verwendete kleine Orgel wurde 1702 
von Ferdinand Börner, kaiserlichem Hof-Orgelbauer erbaut. ’Vonnam- 
*) Geboren im Jahre 1816 in Mittewald, dauernd in Wien etablirt 
seit 1843, daselbst gestorben 1871. 
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