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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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hafteren neueren Orgelbauern in Oesterreich sind zu nennen: Ferdinand 
Deutschmann (Orgel in der protestantischen Stadtkirche zu Wien, 
erbaut 1808); Carl Hesse (Orgel in der protestantischen Kirche zu 
Gumpendorf) und A. Hörbiger (Orgel in der neuen Pfarrkirche von 
Altlerchenfeld). Neben den Wiener Orgelbauern nahm auch der 
Brunner Orgelmacher Sieber (Orgel in der Michaelerkirche zu Wien, 
um 1750) seinerzeit eine geachtete Stellung ein. 
Eine österreichische Erfindung, welche in neuerer Zeit einen 
grossen Aufschwung erreicht hat, ist die Physharmonika. Dieses auf 
demPrincip durchschlagender Metall-Zungen beruhende Tast-Instru- 
ment wurde 1821 von dem Claviermaeher Anton Hackel in Wien 
erfunden. Der Componist und Clavier-Lehrer Hieronymus Payer, der 
die Häckel’sche Physharmonika zuerst öffentlich in Wien spielte, 
liess sich (1823) auch in Paris darauf hören. Durch ihn lernten die 
Franzosen das Instrument kennen, das sie allmälig verbesserten und 
in seiner Vervollkommnung „Orgue d’expression“ oder Harmonium 
nannten, ln Wien hat zuerst der Orgelbauer Jacob Deutschmann die 
Physharmonika in Bezug auf Tonschönheit und innere Structur im 
Jahre 1835 wesentlich verbessert. In ihrer vervollkommneten, mit 
verschiedenen Registern und Spiel-Behelfen bereicherten Form als 
„Harmonium“ ist die Physharmonika ganz vortrefflich von Peter 
Tietz in Wien (f 1873) gebaut worden. Auf demselben Princip durch 
schlagender Metallzungen wie die Physharmonika beruhen ihre ein 
fachen populären Abarten: die Hand- oder Zugharmonika (Accordeon) 
und die Mund-Harmonika. Erstere hat durch Rudolf Pick, letztere 
durch Wilhelm Thiel in Wien bedeutende Verbesserungen erfahren. 
Die Instrumente von Pick und W. Thiel sind in ihrer Art berühmt 
und werden weithin versendet. Eine sinnreiche Anwendung der Mund- 
Harmonika ist das von J. Metzger in Wien erfundene, von D. Bittner 
ausgeführte „Aecord-SignaJ“, auf welchen man jede beliebige Dur- 
und Moll-Tonart im Dreiklang intoniren kann, ein sehr praktisches 
Hilfsmittel für Vocal-Quartette oder Gesangs-Vereine, welche sich 
im Freien produciren oder überhaupt kein Instrument zur Hand haben. 
Ein ehedem beliebtes, auch in Oesterreich fabricirtes Instru 
ment war die Glas-Harmonika. Theils aus dieser, theils aus der
	        
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