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Full text : Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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den  Hof  und  die  Aristokratie  mit  kostbaren  Spieluhren,  musicirenden
Ruhebetten,  Secretären  u.  dgl.  Die  verschiedenen  automatischen
Musikwerke  Mälzel’s  standen  in  grossem  und  verdientem  Ansehen,
namentlich  seine  „Orpheus-Harmonika“  und  sein  „Panharmonicon“,
die  grosse  „Trompeten-Maschine“,  endlich  das  (eine  complete  starke
Harmonie-Musik  enthaltende)  „Orchestrion“  (1825).  Von  ungleich
grösserer  Wichtigkeit  war  eine  andere  Erfindung  Johann  Mälzel’s,
kein  Musik-Instrument,  aber  ein  sinnreicher  einfacher  Apparat  zur
Messung  des  Zeitmaasses;  das  jetzt  über  ganz  Europa  verbreitete
„Metronom“.  Im  Jahre  1815  trat  Mälzel  zuerst  damit  in  Wien  hervor, ­
  mit  so  ungemeinem  Erfolg,  dass  er  schon  1816  eine  förmliche
Fabrik  zur  Verfertigung  von  Metronomen  anlegte.  (Mälzel  starb  1838
in  Philadelphia.)
Geschätzte  Spieluhren-Fabrikanten  waren  Anton  Keinlein  und
dessen  Sohn  Rudolf  in  Wien,  welche  1824  eine  Art  Metall-Harmonika ­
  „Glossophon“  genannt,  erfanden.  Gegenwärtig  sind  die  Spiel-Werke
  von  Goldbreit  in  der  Vorstadt  Gumpendorf  als  vorzügliche  und
billige  Arbeiten  anerkannt.
Im  Fach  der  Blas-Instrumente  kann  sich  Oesterreich  zahlreicher
Erfindungen  und  Verbesserungen  rühmen,  insbesondere  seit  den
letzten  40  Jahren,  welche  durch  die  gesteigerte  Verwendung  der
Blas-Instrumente  in  den  Theater-  und  Concert-Orchestern,  dann
durch  die  Pflege  der  Militärmusiken  in  Oesterreich  einen  vollständigen ­
  Umschwung  in  diesem  Zweige  des  Instrumenten-Baues  herbeiführten. ­
  Im  ersten  Decennium  dieses  Jahrhunderts  befanden  sich  alle
Blas-Instrumente  noch  in  sehr  primitivem  Zustande.  Man  hatte  damals
in  der  Regel  nur  Flöten  mit  einer  Klappe,  selten  mit  3  bis  4  Klappen,
Clarinetten,  Oboen  und  Fagotte  höchstens  mit  5  Klappen,  Trompeten
und  Waldhörner  waren  ohne  Klappen  und  ohne  Ventil-Maschine.
Tiefe  Bass-Jnstrumente  von  Metall  wie  Bombardons,  Tubas  gab  es
neben  den  Posaunen  nicht;  ebensowenig  kleine  und  grosse  Flügel-Hörner.
  Die  Holz-Blas-Instrumente  gingen  früher  als  die  Blechinstrumente ­
  ihrer  Vervollkommnung  entgegen.  Zu  Ende  des  vorigen
Jahrhunderts  hat  der  berühmte  Clarinettist  Josef  Beer  (geboren  1744
in  Böhmen)  die  Clarinette  durch  Hinzufügung  einer  5.  Klappe  erst
            
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