MAK

Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

106 
Stein“, setzte sie aber 1802 unter ihrem eigenen Namen „Nanette 
Streicher, geborne Stein“ fort. Bald betheiligte sich auch ihr Sohn 
Johann B. Streicher*) an dem Unternehmen, das er (von 1833 an 
als selbständiger Chef) zu hoher Blftthe brachte. Schon im Jahre 
1824 baute er Fortepiano’s in Flügelform „mit Hammerschlag von 
Oben“ (eine Erfindung, die sich jedoch nicht erhielt); ferner aufrecht- 
stehende mit einer Octaven-Koppelung, vermöge welcher bei jedem 
angeschlagenen Tone dessen höhere Octave mit erklingt. Im Jahre 
1830 nahm er ein Patent auf einen Stosszungen-Mechanismus, 
welcher einen Uebergang von der Wiener zur englischen Clavier- 
Construction bildet. 
Mit den Streicher’schen Clavieren rivalisiren die vortrefflich 
gebauten, gut klingenden und sehr dauerhaften Instrumente von 
Conrad Graf, welcher schon im Jahre 1809 in Währing bei Wien 
seit 1812 in der Stadt selbst thätig war und im Jahre 1824 den 
Titel eines k. k. Hof-Claviermachers erhielt. Er führte zuerst die Idee 
aus, Fortepiano’s (besonders für den Concert-Gebrauch) mit vier 
Saiten (anstatt 2 und 3-saitig) zu beziehen, was freilich die Schwierig 
keit des Stimmens erhöhte. C. Graf fand aber bald Mittel, dieselbe 
Stärke des Tones auch mit nur 3 Saiten hervorzubringen, durch 
dickere Besaitung und verbesserte Belederungs-Art, endlich durch 
Anwendung von Stahl-Stiften auf den Stegen. Was die äussere Gestalt 
des Piano’s betrifft, so stellte zuerst Graf den Kasten auf drei Säulen, 
anstatt der bishin gebräuchlichen 4 dünnen Holzfüsse, und verwen 
dete zuerst messingene Kollfüsse; beides wurde sofort allgemein 
nachgeahmt. 
Neben Graf und Streicher waren zur selben Zeit in Wien 
besonders geachtet: Brodmann und Besehen. Moscheies spielte 1816 
auf Clavieren von Leschen, Kalkbrenner auf Grafischen; C. M. Weber 
wählte (1813) Claviere von Streicher und Brodmann. Brodmann’s 
Geschäft ging auf Ignaz Bösendorfer über, dessen ausgezeichnete 
Claviere vom Jahre 1840 an besonders in Mode kamen, gleichzeitig 
thaten sich Seuffert und Schweighofer in Wien hervor. 
*) Geboren im Jahre 1796, gestorben 1871.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.