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Institute in Wien, die von seinem Vater projectirte Eisenbahn zur
Ausführung zu bringen.
Nachdem Anton Gerstner sich von dem Stande der in England
ausgeführten Eisenbahnen selbst überzeugt hatte, nahm er am
7. September 1824 das Privilegium zur Anlegung einer Pferde-
Eisenbahn von Linz nach Budweis, bildete am 20. März 1825 eine
Actien-Gesellschaft unter der Firma: „Erste österreichische Eisen
bahn-Gesellschaft“, an deren Spitze die Handlungshäuser Geymüller,
Rothschild und Stametz in Wien standen, begann sofort den Bau
und vollendete 1828 den ersten Theil dieser Bahn von Budweis bis
zur Wasserscheide bei Kerschbaum in einer Länge von 8‘2 Meilen,
= 62 2 Kilometer.
Oesterreich hatte somit die erste Eisenbahn auf dem Continente
und gleichzeitig die längste in Europa (die Stokton-Darlington-Eisen-
bahn in England war 1825 in einer Länge von 25 englischen Meilen
= 4P7 Kilometer, im Jahre 1830 in einer Länge von 41 englischen
Meilen = 685 Kilometer eröffnet).
Nachdem Gerstner im Jahre 1828 seine Stelle als Leiter dieses
Unternehmens niederlegte, vollendete dessen Ingenieur Herr Mathias
Schönerer den Bau bis Linz, sowie die derselben Gesellschaft am
18. Juni 1832 concessionirte Verlängerung der Bahn über Linz nach
Gmunden*).
Gleichzeitig mit diesem Unternehmen war die am 30. Juli 1827
concessionirte Eisenbahn für Pferdebetrieb von Prag nach Pilsen in
Ausführung begriffen, und es wurde der erste Theil dieser Linie
Prag-Lana-Pine in einer Länge von 7'5 Meilen = 56'9 Kilometer
im Jahre 1831 vollendet.
übernahm, leistete auf diese Stelle jedoch 1825 Verzicht, um die Ober-Lei
tung des Baues der von ihm in’s Leben gerufenen ersten österreichischen
Eisenbahn Linz-Budweis zu übernehmen.
Nach Vollendung der Strecke Budweis-Kerschbaum trat Gerstner aus
dem Verbände der Gesellschaft und folgte dem Rufe als Oberleiter des
Baues der Eisenbahn von St. Petersburg nach Zarskoje Selo in Russland.
Auf einer Reise in Amerika, welche Gerstner zum Zwecke des Studiums
der dortigen Eisenbahn -Bauten unternahm, wurde dieser rastlos thätige
Ingenieur im 45. Lebensjahre vom Tode ereilt.
*) Diese Bahn ist in ihrer ganzen Ausdehnung im Jahre 1857 in den
Besitz der Kaiserin Elisabeth-Westbahn übergangen, welche sie in eine
Locomotiv-Bahn umgestaltete.