123
Die erste Eisenbahn des Continents, die Linz-Budweiser Pferde
bahn wurde, wie schon erwähnt, unter der Leitung des Franz Anton
Kitter von Gerstner im Jahre 1825 in Angriff genommen.
Sie lieferte die Grundlage für die Entwicklung des Eisenbahn
baues in Oesterreich.
Diese Bahn hatte 16 98 Meilen = 128 8 Kilometer Länge und
stellte die Verbindung her zwischen den Wasserstrassen der Donau
und der Moldau-Elbe; sie begann bei Budweis in Böhmen, erhob
sich in continuirlicher Steigung, deren Maximum 1 : 120 betrug auf
die Wasserscheide der beiden Flussgebiete in der Nähe der öster
reichisch-böhmischen Landesgrenze, führte von da in continuirlichem
Gefälle bis in das Donau-Thal, überschritt bei Linz (Urfahr) auf der
vorhandenen hölzernen Landesstrassen-Brücke die Donau, und wurde
in den Jahren 1832 bis 1836 längs des Traun-Flusses bis nach
Gmunden verlängert.
Von dieser Bahn wurde der Theil Budweis-Landesgrenze von
Gerstner, der andere Theil bis Linz und Gmunden von M. Schönerer
erbaut.
Der Oberbau bestand aus mit schmiedeisernen Flachschienen
armirten hölzernen Langschwellen, welche auf Querschwellen ruhten.
Nur in den Strecken, wo die Bahn durch die Strassen grösserer Orte
führte, wurden gusseiserne Schienen mit Steinwürfel - Unterlagen
angewendet.
Die Spurweite war 43" englisch = 1083 Meter.
Bei dem unter Gerstner ausgeführten Theil dieser Bahn waren
die Geleise durch Trocken-Mauerwerk unterstützt, welches im festen
Terrain fundirt wurde.
Die Aus weich-Vorrichtungen waren durch bewegliche Zungen,
die Schienenkreuzungen von Quadrat-Eisen gebildet.
Die zweite Bahn Oesterreichs war die von Franz Josef Kitter
von Gerstner (Vater) in den Jahren 1828 bis 1831 projectirte und
durch Ingenieur Johann Ferdinand Gintl erbaute, 7% Meilen =
56'9 Kilometer, lange Pferdebahn von Prag nach Lana.
Dieselbe unterschied sich nur unwesentlich von der Linz-Bud
weiser Bahn.