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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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So entschloss man sich unter anderem schon bei dem Bau der 
Linie Graz-Cilli 1844 bis 1846, eine Brücke mit der bedeutenden 
Spannweite von 120' = 37 9 Meter Holzgitter-Form nach dem 
amerikanischen Systeme Howe auszuführen; im Jahre 1847 ging 
man von dem Systeme der Stuhlschienen ab und führte mit Beibehal 
tung der Querschwellen die breitbasigen Schienen überall ein. 
Wenn schon die ersten vom Staate erbauten Linien Prag- 
Olmütz und Mürzzuschlag-Cilli durch die Verschiedenartigkeit und 
Grossartigkeit ihrer Objecte die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich 
zogen, so erregte umsomehr der Bau der beiden Linien Brünn-Böhm. 
Trübau und Cilli-Laibach, welcher in die Jahre 1847 bis 1849 fiel, 
durch die Kühnheit ihrer Trace und den Umfang der Arbeiten das 
Interesse aller Fachgenossen. 
Obgleich diese beiden Linien betreffs ihrer Steigungs-Verhält 
nisse die bisher gezogenen Grenzen nicht überschritten, so wichen 
sie doch bezüglich ihrer Bichtung von den bisherigen Leistungen 
und Normen beträchtlich ab; sie führten gleich Alpen-Strassen entlang 
reissender Gebirgsflüsse, durchzogen enge und gewundene Thäler und 
Schluchten, Krümmungen von 150° gleich 285 Meter, reihen sich kurz 
aneinander, Tunnel folgt auf Tunnel, und riesige Felsenarbeiten und 
Kunstbauten sind in solcher Menge ausgeführt, wie sie damals noch 
keine Eisenbahn aufzuweisen im Stande war. 
Durch diese Leistungen an Kraft und Erfahrung gestärkt, gehoben 
durch das rasche Gelingen und die günstigen Erfolge der vollendeten 
Werke, hielt man nun selbst das Ausserordentlichste nicht mehr für 
unerreichbar. 
Der durch die rasch zunehmende Entwickelung der Eisenbahnen 
immer mehr und mehr steigende Handel und Verkehr zwischen den 
einzelnen Theilen und Provinzen der Monarchie, namentlich aber das 
Bedürfnis, die Eisenstrassen aus dem Innern des Reiches bis zum 
Meere zu vollenden, rief den Plan hervor, eine Eisenbahn über den 
Semmering, einem 5048' = 1595 Meter hohen Gebirgsstock, dem 
Ausläufer der norischen Alpen, zu führen und dadurch die getrennten 
österreichischen und steiermärkischen Eisenbahn - Linien zu einem 
zusammenhängenden Netz zu verbinden: 
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