ungarischen Ergänzungs - Strecken; die kärntner, kroatischen und
tiroler Linien und führte nebstdem bemerkenswerte Reconstructionen
von Objecten, namentlich grosser eiserner Brücken und Viaducte
nach Etzel’s System auf den vom Staate übernommenen Linien aus.
Zu ihren hervorragendsten Leistungen gehört der Bau der Bahn
über den Brenner, die Linie Innsbruck-Botzen.
Sowohl die Grossartigkeit ihrer Anlage, die von anderen ähn
lichen Ausführungen wesentlich verschieden ist, als auch die sinnreich
angewandten Mittel zur üeberwindung der entgegenstehenden colos-
salen Elementar-Gewalten und localen Schwierigkeiten erheischen,
dass diesem Bauwerke in der Entwicklungs - Geschichte des öster
reichischen Bahnbaues der erste Bang eingeräumt werde.
Im Gegensatz zum Semmering-Bau, wo grossartige Kunstbauten
als hauptsächliches Mittel um Terrain-Schwierigkeiten zu überwinden
zur Ausführung kamen, gelangte im weitesten Umfang beim Brenner-
Bau der Grundsatz zur Geltung, Kunstbauten auf ein Minimum zu
reduciren und durch andere billigere Mittel namentlich durch massen
hafte und kunstlos geschlichtete oder geschüttete Steindämme den
gleichen Zweck zu erreichen.
Diesem Principe entsprechend kamen auch Ausführungen zu
Stande, die, der Idee nach nicht minder grossartig als jene kunstvoll
gegliederten und geschmückten Bau-Werke des Semmering sind,
und welche durch geniale Benützung der durch die Natur und das
Terrain selbst gegebenen Hilfsmittel und Verhältnisse bei mög
lichster Beschränkung auf die blosse menschliche Kraft ihre Lösung
fanden.
So ist für diese Bahnanlage charakteristisch, dass der Gebirgs-
Stock nicht mittelst eines langen Tunnels durchschnitten wird, sondern,
dass die Bahn auf der Passhöhe im Niveau des Terrains liegt, was
sowohl durch die eigentümliche Formation ermöglicht, wie auch
durch günstige klimatische Umstände ohne Gefahr vor den Unbilden
der Hochgebirgs-Natur geschehen konnte.
Nachdem Etzel seine Aufgabe in der Schweiz im Wesentlichen gelöst
hatte, folgte er einem Rufe nach Wien, wo er bei der Kaiser Franz-Josef-
Orient-Bahn, und nach deren Fusion mit der Südbahn, bei Letzterer als
Bau-Director cintrat und in dieser Stellung bis zu seinem Tode verblieb.