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In technischer Beziehung von geringerem Interesse ist der Bau
der Linien der Theiss-Bahn.
Die Theiss-Bahn, erbaut von J. Schimke in den Jahren 1857 bis
1860, durchzieht ebenes Land und es bot deren Ausführung weder
charakteristische noch hervorragende Schwierigkeiten dar, auch hat
sie keine technisch bedeutungsvollen Keconstructionen aufzuweisen.
Die Linien der Lemberg - Czernowitzer Bahn von dem Bau-
Unternehmer Brassey ä forfait erbaut; der Süd - Norddeutschen
Verbindungs-Bahn unter der Leitung J. Schebek’s; der böhmischen
Westbahn unter Fr. Mraz; der Turnau-Kralup-Prager Bahn und der
böhmischen Nordbahn unter G. Löw, sind ohne wesentlich bauliches
Interesse. Diese Bahnen wurden von General-Bau-Unternehmungen
erbaut, von denen die Gebrüder Klein*), A. Lanna**) und
J. Schebek die hervorragendsten Firmen sind.
*) Franz Klein, geboren zu Wiesenberg (Oesterreichisch-Schlesien)
1794, gestorben zu Seibersdorf (Oesterreichisch-Schlesien) 1855.
Fr. Klein, der älteste von 6 Brüdern, erlernte die Gärtnerei, unternahm
jedoch bald in Verein mit seinen Brüdern selbständig die Entwässerungs-
Arbeiten in mehreren Park-Anlagen seiner Heimat, sowie 1815 die Aus
führung eines Strassenbaues, 1817 die einer Fluss-Regulirung, 1818 die
Regulirung der Canäle und die Verschönerungs-Arbeiten der Stadt Brünn.
Ermuthigt durch die Anerkennung, welche ihren Arbeiten allgemein
zu Theil wurde, dehnten sie ihre Unternehmungen rasch über alle Zweige
des Bauwesens aus, übernahmen alle ärarischen Strassenbauten, führten
bedeutende Strom-Regulirungen aus und betheiligten sich in hervorragender
Weise bei den Bauten der österreichischen Eisenbahnen, wovon sie später
bedeutende Längen im Pauschal-Preise ausfiihrten, was sie um so leichter
zu thun im Stande waren, als sie bereits im Besitze bedeutender Eisen-
Werke waren, die sie zur Mitleistung heranziehen konnten.
Fr. Klein behielt bis zu seinem Tode die Leitung der von ihm in
Gemeinschaft mit seinen Brüdern unternommenen Geschäfte.
**) Adalbert Lanna, geboren zu Budweis 1805, gestorben dortselbst
im Jahre 1871, studirte am Gymnasium seiner Vaterstadt, besuchte in Prag
die polytechnische Schule, erlernte in Budweis den Schiffbau und trat als
Steuermann auf der Moldau in Dienst. Er war der erste, der von Budweis
aus seine Schiffe bis nach Hamburg führte, wo er den ausgedehntesten
Export-Handel mit Holz und anderen Erzeugnissen seines Vaterlandes
einleitete.
Zum k. k. Schiffmeister ernannt, schloss er, selbst nicht im Besitze der
nötigen Geldmittel, mit hervorragenden Grundbesitzern Contracte auf Holz-
Lieferung ab, und brachte durch den Aufschwung des Holzgeschäftes und
der Schifffahrt nicht nur allein den Schiffbau, sondern viele kleinere Unter
nehmungen, wie Brettersägen, Getreidemühlen etc. seiner Heimat in Blüte.
Durch diese Industrie veranlasst, richtete Lanna sein Augenmerk auf
die Verbesserung der Verkehrswege, sow r ohl zu Wasser als zu Lande und
betheiligte sich bei der Ausführung derselben.