144
Unter den Holzbrücken findet man ausser den Wiebeking’schen
Bogen-Brücken (maximale Spannweite 49 Meter) und den Pech-
mann’schen Bogen-Hängwerken (maximale Spannweite 25 Meter)
noch Sprengwerke (mit Dach und Verschallung), sowie die in Oester
reich eigenthümlichen sogenannten Beutel-Holzbrücken (im Aus
lande meist österreichische Knüppelbrücken genannt) vertreten. Die
Brücken-Träger ruhen bald auf Holz-Jochen, bald auf steinernen
Pfeilern.
Bei den Steinbrücken tritt uns beinahe ausschliesslich der volle
Kreis- und Segment-Bogen entgegen und heben wir unter diesen
als nennenswert die 304 Meter lange Brücke von Boffalora über
den Tessin und die kühne Brücke von Crespano über den Astico *)
sowie die Stefans-Brücke auf der Brennerstrasse bei Innsbruck
hervor.
Unter den eisernen Brücken haben wir Ketten- und Bogen-
Brücken zu verzeichnen.
Die ersten in Oesterreich gebauten Kettenbrücken sind die zu
Elbogen und Tetschen erbauten und die im Jahre 1825 eröffnete
Sofien-Brücke über den Donau-Canal in Wien mit einer Spannweite
von 76 Meter**). Das hier zur Anwendung gekommene System
der schmiedeisernen Trag- und Spannketten wurde auch hei den
übrigen Hängebrücken benützt, welche in verhältnissmässig kurzer
Zeit in Wien, Graz, Prag und schliesslich in Pest-Ofen zum Baue
gelangt sind. Letztere (in den 40er Jahren von dem Engländer
Clark erbaut) zeichnet sich sowohl durch die Kühnheit der Idee als
*) Die Brücke von Boffalora wurde 1809 begonnen, der Bau von 1813
bis 1823 unterbrochen und anno 1827 vollendet. Die Brücke besitzt 11 Oeff-
nungen mit Segment-Bogen von 24 Meter Spannung und 4 Meter Pfeilhöhe,
ist in Granit ausgeführt, und kostete dieser durch grosse Massen vorzüg
liches Material und sorgfältige Arbeit ausgezeichnete grossartige Bau 4 Mil
lionen österreichische Lire. — 1 Die Brücke von Crespano wurde nach dem
im Jahre 1830 erfolgten Einsturze von Casarotti in den Jahren 1833 bis 1836
gebaut. Segment-Bogen aus Backsteinen mit 40 Meter Spannung und
1616 Meter Pfeilhöhe.
**) Die Brückenbahn wird von 4 Tragketten, wovon auf jeder Seite
zwei vertieal über einander (1‘ 3" von einander abstehend) angebracht sind,
getragen. Bei der zweiten Kettenbrücke in Wien (Carls-Brücke über den
Donau-Canal nach den Plänen von Mitis 1827 bis 1828 gebaut) wurde zum
ersten Male die Kette statt aus Schmiede-Eisen aus Stahl angefertigt.