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Full text: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Zweite Reihe: Ingenieur-Wesen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente, Unterricht

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Unter den Holzbrücken findet man ausser den Wiebeking’schen 
Bogen-Brücken (maximale Spannweite 49 Meter) und den Pech- 
mann’schen Bogen-Hängwerken (maximale Spannweite 25 Meter) 
noch Sprengwerke (mit Dach und Verschallung), sowie die in Oester 
reich eigenthümlichen sogenannten Beutel-Holzbrücken (im Aus 
lande meist österreichische Knüppelbrücken genannt) vertreten. Die 
Brücken-Träger ruhen bald auf Holz-Jochen, bald auf steinernen 
Pfeilern. 
Bei den Steinbrücken tritt uns beinahe ausschliesslich der volle 
Kreis- und Segment-Bogen entgegen und heben wir unter diesen 
als nennenswert die 304 Meter lange Brücke von Boffalora über 
den Tessin und die kühne Brücke von Crespano über den Astico *) 
sowie die Stefans-Brücke auf der Brennerstrasse bei Innsbruck 
hervor. 
Unter den eisernen Brücken haben wir Ketten- und Bogen- 
Brücken zu verzeichnen. 
Die ersten in Oesterreich gebauten Kettenbrücken sind die zu 
Elbogen und Tetschen erbauten und die im Jahre 1825 eröffnete 
Sofien-Brücke über den Donau-Canal in Wien mit einer Spannweite 
von 76 Meter**). Das hier zur Anwendung gekommene System 
der schmiedeisernen Trag- und Spannketten wurde auch hei den 
übrigen Hängebrücken benützt, welche in verhältnissmässig kurzer 
Zeit in Wien, Graz, Prag und schliesslich in Pest-Ofen zum Baue 
gelangt sind. Letztere (in den 40er Jahren von dem Engländer 
Clark erbaut) zeichnet sich sowohl durch die Kühnheit der Idee als 
*) Die Brücke von Boffalora wurde 1809 begonnen, der Bau von 1813 
bis 1823 unterbrochen und anno 1827 vollendet. Die Brücke besitzt 11 Oeff- 
nungen mit Segment-Bogen von 24 Meter Spannung und 4 Meter Pfeilhöhe, 
ist in Granit ausgeführt, und kostete dieser durch grosse Massen vorzüg 
liches Material und sorgfältige Arbeit ausgezeichnete grossartige Bau 4 Mil 
lionen österreichische Lire. — 1 Die Brücke von Crespano wurde nach dem 
im Jahre 1830 erfolgten Einsturze von Casarotti in den Jahren 1833 bis 1836 
gebaut. Segment-Bogen aus Backsteinen mit 40 Meter Spannung und 
1616 Meter Pfeilhöhe. 
**) Die Brückenbahn wird von 4 Tragketten, wovon auf jeder Seite 
zwei vertieal über einander (1‘ 3" von einander abstehend) angebracht sind, 
getragen. Bei der zweiten Kettenbrücke in Wien (Carls-Brücke über den 
Donau-Canal nach den Plänen von Mitis 1827 bis 1828 gebaut) wurde zum 
ersten Male die Kette statt aus Schmiede-Eisen aus Stahl angefertigt.
	        
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